APA/HELMUT FOHRINGER

Oh du mein Österreich

Zielpunkt: AK und ÖGB, übernehmen Sie!

Meinung / von Matthäus Kattinger / 26.11.2015

Gestern noch hat der Präsident der niederösterreichischen Arbeiterkammer, Markus Wieser, bei Vorlage der „Einkommensanalyse Niederösterreich“ über die „höchst durchwachsene Einkommenssituation“ der Beschäftigten in Österreichs größtem Bundesland geklagt: „Es braucht deutliche Reallohnsteigerungen. Und es darf keinen Kollektivvertrag unter 1.700 Euro Mindestlohn geben“, so Wieser.

Heute hat die Arbeiterkammer Wien wieder einen ihrer umstrittenen „Preismonitore“ vorgestellt, demzufolge ein Korb von angeblich identischen Waren (in diesem Fall Drogerieartikel) in Wien um mehr als 50 Prozent teurer sein soll als in München.

Und ebenso heute hat der Chef der Gewerkschaft der Privatangestellten, Wolfgang Katzian, den angekündigten Insolvenzantrag der Handelskette Zielpunkt als „Masterplan“ bezeichnet, mit dem sich die Eigentümer (die Pfeiffer-Gruppe) „unrentabler oder schwieriger Standorte auf Kosten der öffentlichen Hand entledigen“ wollten. Und für den Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich, Johann Kalliauer, gibt es nur die Alternative, dass „entweder die Unternehmensleitung völlig versagt oder ein äußerst zynisches Spiel mit der Existenz tausender Mitarbeiter getrieben hat“.

Unternehmer unter Generalverdacht

Offensichtlich, so interpretiere ich die implizite Botschaft der AK- und ÖGB-Funktionäre, sind Österreichs Unternehmer (nicht nur jene im Handel) entweder unfähig, Ausbeuter, Gauner oder alles in einem.

Wie das Schicksal so spielt, böte sich jetzt die große Chance, dem konsternierten, aber doch neugierigen Österreich vorzuführen, wie man es besser macht. Unverhofft kommt offensichtlich doch oft. Ich adaptiere daher meinen vor einigen Tagen gemachten Vorschlag, dass uns die Granden von ÖGB und AK an einem „Objekt (ob der Begierde oder nicht)“ vorführen sollen, wie man denn ein Unternehmen erfolgreich führt und dabei zugleich die Interessen von Konsumenten, Arbeitnehmern und gesamter Volkswirtschaft wahrt.

Ich bin sicher, dass der Masseverwalter von Zielpunkt ein attraktives Angebot machen wird. Zeigen Sie es uns, retten Sie Zielpunkt und weisen Sie Österreich den Weg in die Zukunft; was auch branchenspezifisch kein Problem sein sollte, als einige AK- und ÖGB-Granden noch Handels-Know-how aus Konsum-Österreich-Zeiten herüber gerettet haben – ob als Controller, Aufsichtsrat oder auch nur interessenspolitischer bzw. parteipolitischer Einflüsterer.