AP Photo/Michael Probst

Walkthrough

Zinsen wie seit 5.000 Jahren nicht

von Lukas Sustala / 22.01.2016

Sorry, aber die Zinsen bleiben so niedrig wie seit 5.000 Jahren nicht. Die Finanzmärkte gehen versöhnlich ins Wochenende. Die Heta könnte Kärnten noch in den Abgrund reißen. Österreichs Behörden beschäftigen sich mit Meinl und Schiffsfonds. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Erwarten Sie noch länger keine Zinswende. EZB-Präsident Mario Draghi hat gestern die Hoffnungen auf mehr Anleihenkäufe geschürt und die Finanzmärkte beruhigt (NZZ.at). Zinserhöhungen im Euroraum sind wohl weiter weg als je zuvor. Nach Worten von Österreichs Notenbankgouverneur und EZB-Rat Ewald Nowotny drohen wegen der gefallenen Ölpreise in den ersten zwei Quartalen einzelne Monate, in denen die Inflation in der Eurozone ins Negative rutschen kann. Das werden die EZB und so mancher Ökonom als Grund für weiter niedrigste Zinsen sehen – auch wenn die EZB gegen niedrige Inflation als Folge niedriger Ölpreise wenig bis nichts ausrichten kann (NZZ.at). Wenn man sich allerdings ansieht, wie es in den vergangenen 5.000 Jahren um die Zinssätze bestellt war, wird deutlich, dass es sich aktuell um eine ziemliche Ausnahmeerscheinung handelt. Die Bank of America hat in einer aktuellen Analyse das folgende Chart produziert: Es zeigt, dass die Nullzinspolitik nicht wirklich die Norm ist – aber was helfen Sparbuchsparern im Jahr 2016 schon die Zinsen aus dem Jahr 3000 vor Christus. Denn die Prognosen von Ökonomen zeigen, dass die Zinsen bis 2018 in Europa NICHT von der Nulllinie kommen werden (EZB).

Droht Kärnten jetzt die Pleite? Die Republik und Kärnten wollen sich von den Gläubigern der ehemaligen Pleitebank Hypo Alpe Adria mehr als drei Milliarden Euro holen (NZZ.at). Dafür sollen die Schulden der Hypo-Nachfolgerin Heta aufgekauft werden. Doch die Gläubiger sträuben sich. Wenn das Rückkaufprogramm der Hypo-Schulden scheitert, schlittert dann Kärnten in die Pleite? Und wie wahrscheinlich ist das? Diesen Fragen gehen wir in der aktuellen Podcast-Episode im Phänomen Geld nach (NZZ.at).

Noch mehr zur Causa Prima: Kärnten braucht einen Plan B (NZZ.at), Hypo-Desaster, Folge 29 (NZZ.at).

Locken die Sozialleistungen Flüchtlinge an? Seit Tagen geistern wieder verstärkt politische Versprechen und Absichtserklärungen durch die Medien. Es geht dabei um Flüchtlinge und Sozialleistungen. Kollege Leopold Stefan hat sich genau angesehen, was man denn fix über die „Pull-Faktoren“ weiß, also jene Faktoren, die ein Land für Flüchtlinge attraktiver machen als ein anderes (NZZ.at). Sozialleistungen spielen dabei durchaus eine Rolle, aber eben auch das soziale Netzwerk und Familienbande. Mit gesetzlichen Maßnahmen lässt sich also durchaus das Level der Asylanträge „steuern“, wie es das Beispiel Dänemarks zeigt. Doch die Sozialleistungen alleine reichen dafür noch nicht aus. Die Analyse von Kollege Stefan wird Ihnen in jedem Fall eine wichtige Einordnung liefern.


Der Fluch der guten Absicht. In Europa werden Rufe laut, die Flüchtlingskrise mittels zusätzlicher Entwicklungshilfe zu bekämpfen. Wer dies fordert, verkennt die Erfahrung von über 50 Jahren internationaler Entwicklungspolitik. Ein Kommentar von NZZ-Wirtschaftsredakteur Thomas Fuster (NZZ.at).

Versöhnliches Wochenende. Die Talfahrt des Ölpreises scheint vorerst gestoppt. Das zumindest lässt sich an dem achtprozentigen Auftrieb beim Preis für das schwarze Gold ablesen. Doch es ist noch zu früh, um in den Vorstandsetagen von Öl- und Gas-Multis die Sektkorken knallen zu lassen. Doch zumindest in den Handelsräumen internationaler Großbanken ist der Freitag ein sehr, sehr positiver Tag. Denn die Aktienmärkte haben am Freitag endlich mal wieder den Vorwärtsgang eingelegt. Bis zu vier Prozent Plus für Leitindizes an einem Tag kann als ziemliche Erleichterung von Investoren gewertet werden – aber nach wie vor sind so große Ausschläge auch ein Indiz für eine große Unsicherheit (NZZ).

Ölpreis mit zügiger Erholung
Ölpreis mit zügiger Erholung

Credits: Factset

Verdacht auf Steuerhinterziehung gegen Ex-Meinl-Bank-Chef Weinzierl. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt seit längerem gegen den nunmehr früheren Chef der Meinl Bank, Peter Weinzierl. Es gehe im Zusammenhang mit „Speedprop“ um den Verdacht der Steuerhinterziehung, bestätigte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Nina Bussek, am Freitag einen Bericht im Börsianer. Dieser Tage sei eine Fachverbandsanfrage an die heimischen Banken gestellt worden. Weinzierl weist die Vorwürfe zurück und gibt keinen weiteren Kommentar ab, heißt es dazu von Meinl-Bank-Sprecher Thomas Huemer gegenüber der APA.

Bargeld abschaffen? Sollte man Bargeld ganz abschaffen? Dann wäre auch das Falschgeldproblem mit einem Schlag aus der Welt. Bargeld helfe nur noch Geldwäschern und anderen Kriminellen, ihre Geschäfte zu verschleiern, sagte Deutsche-Bank-Chef John Cryan in dieser Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos – er überraschte mit einer gewagten These: Bargeld werde in den nächsten zehn Jahren verschwinden. Das hat im Netz angesichts der jüngst verkündeten Milliardenverluste der Deutsche Bank zu viel Häme geführt, was denn nun zuerst verschwinden werde (NZZ). So oder so scheint die Anklage gegen das Bargeld auf wackeligen Beinen zu stehen (NZZ.at).

Inspirationen – Food for Thought

Blockchain erhält einen Boost durch die Bankenwelt, die feindliche Übernahme von Bitcoin setzt sich fort (NZZ.at).

Schiffsfonds: Rechtskräftige Urteile auch gegen Erste Bank (Die Presse).

Josef Ackermann: Im Epizentrum der zypriotischen Finanzkrise (NZZ).

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