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Walkthrough

Zockerei um Milliarden und Sinkflug für Banken

von Lukas Sustala / 25.01.2016

Europas Banken sorgen erneut wieder für ziemliche Verunsicherung. Warum im Poker um die Heta-Milliarden Bund und Land Kärnten die schlechteren Karten haben. Griechenlands verlorenes Jahr unter SYRIZA. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Würden Sie DAS kaufen? 2016 soll eine Zeitenwende einläuten. Es ist das Jahr, in dem für die meisten EU-Länder die Regel „Bail-in statt Bail-out“ in Kraft tritt. Künftig sollen marode Banken von Gläubigern statt von Steuerzahlern gerettet werden. Das klingt nach einem richtigen und wichtigen Prinzip. Doch die Umsetzung sorgt für immer mehr Probleme. Dabei hat zuletzt erst Ex-EZB-Chefökonom Jürgen Stark gewarnt, dass die Bankenprobleme in der Euro-Zone deutlich langsamer angegangen wurden als in den USA (NZZ.at). Also ist der „Schuldenüberhang“ auf dieser Seite des Atlantiks noch deutlich größer – und er hängt in Ländern wie Italien und Portugal besonders schwer. Und gerade diese Länder zeigen beim Anwenden der Regeln ein besonderes Maß an Kreativität, die viele Investoren verunsichert (NZZ.at). Würden Sie also als Investor auf Europas monetären Mülldeponien zugreifen? Wohl kaum: Solange der Umgang mit den Altlasten der Boomphase derart erratisch abläuft, bleiben Bank-Schulden und ‑Aktien für Investoren ein heißes Eisen.

Es ist die Zockerei des Jahres. Bis 11. März geht es zwischen Kärnten und den Gläubigern der Skandalbank Hypo Alpe Adria um mehr als drei Milliarden Euro. Auf diese Summe sollen die Banken und Fonds verzichten, damit die Republik und Kärnten sich die Kosten für die Abwicklung der maroden Heta ersparen. Es ist ein Milliardenpoker, in dem Wien und Klagenfurt jedoch die schlechteren Karten haben. Wieso, können Sie in unserem aktuellen Video nachsehen (NZZ.at).

Die Lage ist besser als die Stimmung. Die Stimmung am Jahrestreffen des World Economic Forum in Davos war sehr gedrückt. Es zeigte sich eine problematische Fixierung auf das kurzfristige Börsengeschehen. Dabei gibt es gute Gründe für mehr Zuversicht, meint NZZ-Wirtschaftsressortleiter Peter A. Fischer (NZZ.at): „Es gibt ernste Probleme zu lösen, aber die Chancen stehen nicht schlecht, dass es besser wird. In vielem steht die Welt an Wegmarken. Nun geht es darum, den richtigen Pfad zu finden. Defaitistischer Pessimismus, Angst und übertriebenes Kurzfristdenken sind dabei die falschen Orientierungshilfen.“

Tage der Wahrheit für Volkswagen. Die ersten Rückrufe wegen des Abgasmanipulationsskandals stehen unmittelbar bevor. 388.000 Autos müssen alleine in Österreich in die Werkstatt, 2,4 Millionen Fahrzeuge in Deutschland (Trend). Zurückgerufen hat der Skandal in jedem Fall auch den Aktienkurs des Unternehmens. Der Marktwert von Volkswagen liegt aktuell immer noch 20 Milliarden Euro unter dem Stand vom August 2015, kurz bevor der Skandal ausgebrochen ist.

Börsenregeln aus der Zeit vor dem Computer. Nobelpreisträger Alvin Roth fordert in einem Interview, den Aktienhandel sicherer zu machen (NZZ.at). Warum? „Dank Investitionen in Milliardenhöhe ist es heute möglich, Informationen in weniger als neun Millisekunden von der New York Stock Exchange an die Chicago Mercantile Exchange zu senden. Zum Vergleich, ein Augenblinzeln dauert hunderte Millisekunden. Wer die Technologie besitzt, hat einen Vorteil, was letztlich dazu führt, dass die Liquidität sinkt, weil andere Marktteilnehmer unsicherer werden. Die Regeln, nach denen Aktien gehandelt werden, stammen noch aus Tagen, an denen es keine Computer gab.“

Russlands Rutsch. Die russische Wirtschaft ist 2015 um 3,7 Prozent geschrumpft, wie die staatliche Statistikbehörde bekannt gegeben hat. Wohl und Wehe der russischen Volkswirtschaft hängen vor allem am Ölpreis. Seit er stark gefallen ist, ist auch die Wirtschaft in einem schlimmen Rezessionsmodus. Der Fluch für Russland ist dabei durchaus ein Segen für Österreich: Denn hier sind die Haushaltsenergiepreise im Dezember um 5,8 Prozent niedriger gewesen als im Jahr davor (Die Presse).

Griechenlands verlorenes Jahr. Vor einem Jahr ist die Regierung von SYRIZA ins Amt gekommen. Die Zeit seit damals war für Griechenland eine Phase des wirtschaftlichen Schmerzes. Davon zeugen – nicht nur – die Finanzmarktindikatoren. Die Aktienkurse sind dramatisch gefallen, die Anleihenzinsen als Risikobarometer haben kräftig ausgeschlagen.

Inspirationen – Food for Thought

Der Guardian mag tollen Journalismus machen, muss aber kräftig sparen (Guardian).

Wirklich viel Raum, um sich gegen eine wirtschaftliche Krise zu stemmen, hat derzeit kaum eine Regierung.

Ölpreise und Aktienkurse korrelieren so sehr wie seit Jahren nicht.

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