Zu früh gefreut: Illusorische Aktienrekorde

von Lukas Sustala / 25.02.2015

Die Aktienmärkte in Großbritannien und Deutschland machen mit neuen Rekorden von sich reden. Es ist Zeit, allzu euphorische Investoren auf den Boden der Tatsachen zu holen. 

Der finanziell interessierte Leser stolpert dieser Tage über viele euphorische Schlagzeilen. Der deutsche Leitindex DAX verzeichnet neue Rekorde, genauso wie sein britisches Pendant Footsie (FTSE 100) und der US-Leitindex S&P 500.

Der deutsche DAX hat besonders medienwirksam erstmals über 11.000 Punkte erreicht. Grund genug für uneingeschränkten Jubel?

Nicht unbedingt. Es gibt zumindest zwei Fallstricke bei der Freude über Rekorde an den Finanzmärkten. Erstens Inflation, zweitens Konstruktion.

Der springende Punkt ist, dass es eine realistische Perspektive für die Bewertung der Aktienmarkt-Rekorde braucht. Das beste Beispiel ist der DAX. Er ist ein Performance-Index. Bei der Konstruktion dieses Aktienindex wird unterstellt, dass die ausgeschütteten Dividenden der Unternehmen wieder in den Aktienmarkt investiert werden. Die meisten anderen Aktienindizes – in den USA der S&P 500 oder in Österreich der ATX – rechnen das nicht ein. Sie sind lediglich Spiegelbilder der Aktienkurse, nicht auch noch der ausgeschütteten Gewinnbeteiligungen.

Den DAX daher mit anderen Anlagen zu vergleichen, ist, als würde man zwei Jobs finanziell miteinander vergleichen, allerdings bei einem das Weihnachtsgeld einrechnen, bei dem anderen aber nicht. Das ist ziemlich sinnlos, wie folgende Grafik zeigt, weil langfristig das Wiederveranlagen der Dividenden einen massiven EinflussDaher wird langfristigen Anlegern, etwa beim Ansparen für die Pension, oft empfohlen, in Produkte zu investieren, die automatisch die Gewinne wiederveranlagen. Diese Praxis wird als Thesaurierung bezeichnet. auf den Ertrag hat:

Die Inflation als Gegenwind

Nicht nur bei der Indexkonstruktion gibt es Fallstricke. Wer langfristig rekordhohe Aktienkurse identifizieren möchte, sollte nicht auf die GeldwertillusionWer bei seinen Anlage- oder Konsumentscheidungen nicht die allgemeine Inflationsrate berücksichtigt, unterliegt der Geldwertillusion. Wer also nach fünf Jahren auf sein Aktiendepot schaut und ein Plus von 25 Prozent als tollen Gewinn empfindet, muss auch berücksichtigen, dass in demselben Zeitraum die Kosten für Wohnen und Leben teurer geworden sind. hereinfallen. Also muss auch die allgemeine Teuerung berücksichtigt werden. Wenn der Aktienmarkt nach zehn Jahren um 60 Prozent höher liegt, ist man als Investor nicht automatisch reicher. Es kommt darauf an, ob rund herum die Preise ebenso in die Höhe gegangen sind, etwa die Immobilienpreise oder die Lebenshaltungskosten.

Zieht man die allgemeine Inflationsrate (mit all ihren Unzulänglichkeiten) heran, sehen die Rekorde der Aktienmärkte gleich deutlich weniger eindrucksvoll aus: Aus dem Plus des DAX von 59,1 Prozent in den vergangenen sieben Jahren bleiben so noch 39,2 Prozent übrig. Je länger man in die Vergangenheit geht, desto stärker schneidet die Inflation bei den Renditen mit:

Das alles heißt nicht, dass die Aktienmärkte nicht von der Antikrisenpolitik der Zentralbanken angefeuert werden, die Unternehmen in Ländern wie den USA oder Deutschland hohe Gewinne machen oder dass Aktien als Anlagen deutlich attraktiver sind als etwa ein Sparbuch. Doch wer sich wirklich mit dem Erfolg seiner Investments auseinandersetzen will, sollte strengere Maßstäbe ansetzen als es derzeit viele Investmentstrategen und Finanzmedien tun.