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Walkthrough

„Zu viele Nullen“ – Deutsche Bank überwies aus Versehen sechs Milliarden Dollar

von Lukas Sustala / 20.10.2015

Die Deutsche Bank hat einen „kleinen Fehler“ gemacht. Österreich ist für ausländische Investoren aktuell kein Zielland. Österreichs Banken stehen vor massiven Einschnitten, wie Berichte über die Bank Austria zeigen. Und war David Ricardo der reichste Volkswirt aller Zeiten? Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Seit Juli ist John Cryan CEO der Deutschen Bank. Fürs dritte Quartal hat er bereits einen Bilanzputz und einen Verlust von sechs Mrd. Euro angekündigt.
Credits: REUTERS/Christian Hartmann

Fetter Finger bei der Deutschen Bank. Als flögen die Deutsche Bank aktuell nicht genug Herausforderungen um die Ohren, hat die Financial Times nun einen peinlichen „fat finger“ ans Tageslicht gezerrt. Ein „fetter Finger“ beschreibt den Fall, in dem ein Händler beim Platzieren seiner Order auf die falschen Tasten klopft oder sonst einen Fehler macht. Ein junger Deutsche Banker aus dem Devisenhandel hat im Sommer aus Versehen einem Hedgefonds sechs Milliarden Dollar überwiesen, weil er bei einer Derivateposition brutto und netto nicht auseinander gehalten hat (FT, €). Dadurch habe der Betrag „zu viele Nullen“ gehabt, zitiert die Financial Times einen Banker. Der Fehler wurde schnell entdeckt und wieder ausgemerzt, ist aber für die Deutsche Bank, die sich aktuell in einem tiefgreifenden Restrukturierungsprozess befindet, mehr als nur peinlich (NZZ.at). Und es wirft eine zentrale Frage auf: Wo ist das „Vier-Augen-Prinzip“, das auch bei der Deutschen Bank längst Standard sein soll?

Österreich bleibt links liegen. Investoren machen um Österreich einen Bogen. Das zeigen Daten der Österreichischen Nationalbank zu den ausländischen Direktinvestitionen im ersten Halbjahr. Demnach wurden aus dem Ausland nur 2,9 Milliarden Euro in Österreich investiert. Doch frisches Geld war das nicht, dafür einbehaltene Gewinne, die nicht ausgeschüttet wurden. Sowohl bei Eigen- als auch bei Fremdkapital haben ausländische Investoren hingegen Geld aus Österreich abgezogen. Österreichische Unternehmen haben im selben Zeitraum 6,4 Milliarden Euro im Ausland investiert, vor allem in Europa und Asien.

Magere Zeiten bei der Bank Austria. Auch sonst ist im Banking aktuell wenig zu holen. Das Sparkarussell auf dem österreichischen Markt scheint sich jedenfalls immer schneller zu drehen. In diese Richtung gehen die Überlegungen, made in Mailand, dass die UniCredit ihre Österreich-Tochter Bank Austria massiv zusammenschrumpft (NZZ.at). Demnach könnten das Privat- und Firmenkundengeschäft verkauft werden und das Osteuropageschäft direkt nach Mailand wandern. In Wien bleibt dann gerade mal noch die Betreuung von vermögenden Privatkunden und die Vermögensverwaltung. Auch wenn der mögliche Käufer des Österreich-Geschäfts der Bank Austria, der US-Fonds Cerberus mit seiner Österreich-Tochter Bawag den kolportierten Kaufpreis von 800 Millionen Euro erst einmal stemmen muss. Ob sich diese Gerüchte zu einem wirklichen Deal auswachsen, ist noch mehr als unsicher. Sicher ist aber, dass Unicredit-CEO Federico Ghizzoni am 11. November einen Sparplan für die italienische Bankengruppe präsentiert – und in Wien orten Analysten das größte Spartpotenzial.

Der richtige Mann am richtigen Platz? Ben Bernanke hat seine Memoiren geschrieben, „The Courage to Act“ heißt das Buch. Der NZZ-Wirtschaftskorrespondent Martin Lanz hat das Buch gelesen und geht der Frage nach, wieso Bernanke als Forscher der Großen Depression in der Finanzkrise 2008 so beherzt eingegriffen hat (NZZ.at). Was er für die heutige Notenbankchefin Janet Yellen überlassen hat, ist klar: Eine massiv aufgeblähte Zentralbankbilanz.

Free Lunch – Food for thought

David Ricardo, der reichste Ökonom aller Zeiten (Liberty Street Economics).

Wie die Wirtschaftskrise russischen Fluglinien zusetzt (Zeit).

Wo waren Sie am Schwarzen Montag, es geht um den 19. Oktober 1987? (Big Picture)

Wo die reichsten Europäer wohnen (SZ).