Jens Bonnke

Investmentbranche

Zu viele „Umarmungen“: Der Etikettenschwindel bei Investmentfonds

von Michael Ferber / 25.02.2016

Viele als „aktiv“ vermarktete Anlagefonds sind es in Wahrheit gar nicht, wie Studien zeigen. Die höheren Gebühren solcher Produkte müssen Anleger trotzdem bezahlen.

Viele Investmentgesellschaften hängen ihren Anlagefonds das Etikett «aktiv verwaltet» um, obwohl sich diese in Wahrheit stark an einem Börsenindex orientieren. Zu diesem Ergebnis ist jüngst die Europäische Wertpapierbehörde (Esma) gekommen, sie hat dafür die Anlagestrategien von 2600 Fonds im Zeitraum 2012 bis 2014 verfolgt. Gemäß der Behörde sind zwischen 5 und 15 Prozent der europäisch regulierten Aktienfonds sogenannte „Index-Umarmer“. Sie sei darüber besorgt, dass Anleger aufgrund dieser Praxis geschädigt werden könnten, teilte die Behörde mit. Schließlich erhielten die Investoren nicht die erwartete Dienstleistung, während sie potenziell höhere Gebühren zahlten, als dies für passiv verwaltete Fonds üblich sei.

Passive Anlagefonds bilden einfach die Performance des ihnen zugrunde liegenden Vergleichsindexes ab – also beispielsweise die des Swiss-Market-Index (SMI), des Euro-Stoxx 50 oder des Dow Jones Industrial Average. Aktiv verwaltete Fonds hingegen haben das Ziel, besser zu sein als ihr Vergleichsindex, und verlangen dafür höhere Gebühren. Einem Großteil der aktiven Fonds gelingt es zwar ohnehin nicht, den Markt zu schlagen. Versuchen sie es aber gar nicht erst, so kommt das einem Etikettenschwindel gleich.

Diese Praxis scheint auch bei in der Schweiz vertriebenen Anlagefonds gang und gäbe zu sein, wie eine neue Studie des Finanzdienstleisters VZ Vermögenszentrum zeigt. Hier kam die Kennzahl Active Share zur Anwendung. Diese weist die Abweichung eines Anlagefonds von seinem Vergleichsindex aus. Ein Wert von mehr als 50 Prozent bedeutet dabei, dass der Fonds mehr von seiner Benchmark abweicht, als diese passiv abzubilden.

Bei der Untersuchung von aktiv verwalteten Anlagefonds auf dem Schweizer Aktienmarkt in den Jahren 2005 bis 2014 wurde offensichtlich, dass sich die Mehrheit der Fonds nur bedingt als aktiv bezeichnen ließ, dass sie also einen Active Share von unter 50 Prozent hatten. Viele angeblich aktive Fonds wichen kaum von ihrem Vergleichsindex ab. Der durchschnittliche Active Share lag im untersuchten Zeitraum immer leicht über 30 Prozent. In den Einjahresperioden im Zeitraum 2005 bis 2014 waren in keinem Jahr mehr als 30 Prozent der untersuchten Produkte „echte“ aktive Fonds. Bei diesen lag indessen die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Mehrrendite gegenüber dem Vergleichsbarometer Swiss-Performance-Index (SPI) erzielen, deutlich höher als bei „unechten“ aktiven Produkten. Die höheren Gebühren verlangten die „unechten“ aktiven Fonds trotzdem. Laut VZ liegen die Verwaltungsgebühren bei aktiven Fonds im Allgemeinen im Bereich von 1,5 Prozent bis 2 Prozent, jene von passiv verwalteten meist unterhalb von 0,5 Prozent.