Yiannis Kourtoglou / Reuters

Griechenlands Banken

Zuwachs bei notleidenden Krediten: Griechenlands Banken in prekärer Lage

von Panagis Galiatsatos / 28.07.2016

Die anhaltende Rezession in Griechenland hat den Bankensektor ins Wanken gebracht. Aus diversen Gründen haben sich die Banken noch immer nicht erholt.

Auch im sechsten Jahr der Schuldenkrise bleibt die Lage im griechischen Bankensystem prekär. Dies bestätigt ein Bericht der griechischen Zentralbank, der die Institute dringend auffordert, das Volumen der notleidenden Kredite, die derzeit 44% des Gesamtvolumens ausmachen, drastisch abzubauen.

Der Anteil der notleidenden Kredite stieg in den Jahren der Krise rasant. 2008 lag dieser nur bei 5,8%, 2014 waren bereits 39,9% aller Kredite faul. Der Grund für diese negative Entwicklung war die anhaltende Rezession, die fast ein Viertel des Bruttoinlandprodukts vernichtete. Als 2015 die Linksregierung an die Macht kam und die Auseinandersetzung mit den EU-Partnern und Gläubigern suchte, brach die Zahlungsmoral der Kreditnehmer völlig ein. Im Zuge der Krise vom Sommer 2015 und der Einführung von Kapitalverkehrskontrollen stieg der Anteil der notleidenden Kredite auf 44%. Die Zentralbank sieht vorerst eine weiter steigende Tendenz.

Steuerzahler an die Kasse

Die Institute hatten sich erheblich bemüht, um sich gegen die Zunahme der notleidenden Kredite abzusichern. Zwischen 2010 und 2015 bildeten sie Rücklagen in der Höhe von 121,6 Mrd. €; das Gesamtkreditvolumen wurde gleichzeitig von 306,7 Mrd. € auf 185 Mrd. € verringert. Die griechische Schuldenkrise versetzte allerdings die Banken in doppelter Hinsicht in eine missliche Lage. Einerseits gingen wegen der Angst vor einem Verlust der Euro-Mitgliedschaft über 100 Mrd. € an Einlagen verloren, andererseits mussten die Banken grosse Verluste wegen der griechischen Anleihen in ihren Büchern hinnehmen. Als es 2012 zum Schuldenschnitt kam, wurden diese für die vier systemrelevanten Banken (National Bank, Alpha Bank, Eurobank, Piräus Bank) auf 28 Mrd. € addiert. Sie mussten auf Kosten des Steuerzahlers rekapitalisiert werden.

Spuren des Hilfsprogramms

Auf Drängen der Gläubiger wurde dafür ein Bankenrettungsfonds gegründet, der Kapitalspritzen von 30 Mrd. € an die vier systemrelevanten Banken verteilte. Weitere 12 Mrd. € wurden für die Sanierung von nicht systemrelevanten Banken wie etwa der Agrar Bank oder der Postbank aufgewendet. 2013 kam es zu einer Reihe von Übernahmen und Fusionen, um die Stabilität des Sektors zu stärken. Die vier systemrelevanten Banken wurden von 2014 bis 2015 zwei weiteren Rekapitalisierungen unterzogen, um die Kapitaldecke gemäss den strengen Anforderungen des dritten Rettungsprogramms zu verstärken.

Die Banken entschuldeten sich massiv; zwischen 2010 und 2015 sanken die Gesamtaktiva von 460 Mrd. € auf 345 Mrd. €. Dabei trennten sich die Institute von Etlichem, etwa dem Filialnetz auf dem Balkan und in der Türkei. Trotzdem hat sich der Sektor nicht erholt. Dies ist einerseits auf das Problem der notleidenden Kredite zurückzuführen, das teilweise politisch bedingt ist. Bis vor wenigen Monaten weigerte sich die Politik nämlich, die Pfändung von als Sicherheiten hinterlegten Immobilien zu erlauben, einen Sekundärmarkt für Kreditschulden gibt es erst seit kurzem und nur auf dem Papier. Andererseits ziehen die Banken kaum neue Einlagen an, weshalb sie auch wenig neue Kredite gewähren. Laut Zentralbank ist dadurch in der Wirtschaft eine Kreditlücke von 35 Mrd. € entstanden.