Joshua Roberts / Reuters

Zwei Parteien im Zins-Clinch: Tauziehen in der US-Notenbank

von Gerd Brüggemann / 18.08.2016

Auch an der letzten Sitzung des Offenmarkt-Ausschusses der amerikanischen Zentralbank ist offen geblieben, wann die Zinsen endlich angehoben werden. Doch die Pro-Stimmen mehren sich.

Das Warten auf ein klares Signal von der amerikanischen Zentralbank über den künftigen Kurs der Geldpolitik hält weiter an. An der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses der Institution Ende Juli, hatten sich die Mitglieder die Optionen offengehalten, ob und wann ein nächster Zinsschritt erfolgt, weil sie die weitere wirtschaftliche Entwicklung beobachten wollen.

Wie aus dem Protokoll des Treffens, das am Mittwoch veröffentlicht worden ist, hervorgeht, standen sich zwei Gruppen gegenüber. Während die einen argumentierten, es sei notwendig, so lange abzuwarten, bis die Inflationsrate sich dem angestrebten 2%-Ziel weiter angenähert habe, hielt die andere Seite fest, dass in den Vereinigten Staaten mit einer Arbeitslosenrate von 4,9% praktisch die Vollbeschäftigung erreicht und eine Anhebung der Leitzinsen mithin gerechtfertigt sei.

In der Beurteilung der Konjunkturlage in der zweiten Jahreshälfte hat sich in der Zentralbank eine erkennbare Zuversicht durchgesetzt. Die Mehrzahl der Entscheider rechnet mit einem Fortgang des massvollen Wachstums und sieht vorerst keine Risiken für eine nachhaltige Abschwächung. Zu dieser Einschätzung haben nicht zuletzt die guten Daten vom Arbeitsmarkt sowie die anhaltend kräftige Nachfrage der Konsumenten beigetragen. Allerdings bereiten weiterhin die geringen Investitionen der Unternehmen Sorgen. Auch die schwächelnde Entwicklung der Weltwirtschaft trübt den Ausblick.

Dennoch scheint die Stimmung im Offenmarktausschuss insgesamt einer Anpassung der Geldpolitik noch in diesem Jahr zuzuneigen. Ob das jedoch schon im September geschehen wird, gilt als eher unwahrscheinlich. Nach dem Ende der Rezession im Jahre 2009 hatte die Zentralbank die Leitzinsen erstmals im vergangenen Dezember von praktisch null geringfügig angehoben und zu erkennen gegeben, dass 2016 vier weitere Erhöhungen möglich sein könnten. Das ist bisher nicht geschehen.

Nach der Juli-Sitzung haben sich in den letzten Tagen einige Präsidenten regionaler Fed-Banken zu Wort gemeldet und für eine baldige Anhebung plädiert. So sagte William Dudley, der einflussreiche Präsident der New Yorker Fed-Bank, am Dienstag, er halte eine Erhöhung schon im September für denkbar. Sein Kollege Dennis Lockhart, Präsident der Atlanta Fed, ging in einer Rede ebenfalls am Dienstag sogar noch etwas weiter. Nach seiner Ansicht rechtfertigt die wirtschaftliche Lage sogar zwei Leitzinserhöhungen in diesem Jahr.