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Sonderbriefing

Abgekanzlert

von Georg Renner / 09.05.2016

Werner Faymann tritt zurück. In einem überraschenden Statement heute Mittag im Bundeskanzleramt hat Werner Faymann angekündigt, „mit heutigem Tag“ als Bundeskanzler und SPÖ-Chef zurückzutreten. Ansonsten war das meiste, das er in seiner Abschiedsrede gesagt hat, weitgehend falsch, kommentiert Michael Fleischhacker.

Wer ihm jeweils nachfolgen soll, steht vor dem SP-Vorstand heute Nachmittag noch nicht fest, in der Partei dürfte bis zum Bundesparteitag (planmäßig steht er im November an) Michael Häupl die Führung übernehmen. Wer Kanzler wird, steht noch nicht fest, die Kleine Zeitung sieht die besten Chancen für ÖBB-Chef Christian Kern. Interimistisch übernimmt jedenfalls Vizekanzler Mitterlehner die Geschäfte des Kanzlers.

Moritz Moser erklärt, wie es mit der Vertretung eines Bundeskanzlers aussieht, bis ein neuer bestellt ist.

In seiner Rede erklärte Faymann, es gehe nicht darum, wer die Mehrheit in der Partei hat, sondern, wer „in dieser schwierigen Zeit der großen Herausforderungen“ – etwa Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die hohen Wettbewerbsbedingungen, die Fragen des sozialen Zusammenhalts und der Flüchtlingskrise – zurande komme.

Hat man die volle Rückendeckung, einen starken Rückhalt in der Partei? Das muss ich Ihnen mit Nein beantworten. Dieser starke Rückhalt ist verloren gegangen. Die Mehrheit ist zu wenig, trotzdem bedanke ich mich bei allen Mitstreitern, die in diesen Tagen zu mir gestanden sind

Werner Faymann

Faymann zeigte sich „felsenfest“ überzeugt, „dass dieses Land mit diesen Herausforderungen fertig wird und auch in Zukunft ein starkes Land sein wird“. Der scheidende Bundeskanzler wünschte der Regierung und seinem noch zu bestimmenden Nachfolger „schon jetzt alles erdenklich Gute“. „Es geht um viel, es geht um Österreich.“ Er sei sehr dankbar, dass er Österreich in der Vergangenheit habe dienen dürfen.

Die Rede im Wortlaut auf heute.at


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