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Terror in Paris

Ahmad M. und der Weg durch Österreich

von Christoph Zotter / 15.11.2015

Zwei der Attentäter von Paris sollen als Flüchtlinge nach Europa eingereist sein. Ob sie dabei über österreichische Grenzen gekommen sind, wird die Polizei nur schwer klären können.

Der Name des einen sei Ahmad M., berichtet die serbische Zeitung Blic. Der 25-Jährige sei von den französischen Ermittlern identifiziert worden, sagt CNN. Demnach wäre er Syrer – und als Flüchtling in die EU eingereist.

Der andere heiße Mohamed M., schreibt die griechische Seite Protothema. Sie veröffentlichte auch Fährtickets, die sich beide zusammen gekauft hatten. Der britische Guardian warnte am Sonntagmittag vor voreiligen Schlüssen, während der Boulevard bereits „fake refugees“ titelte.

Die französischen Ermittler selbst halten sich noch bedeckt. Sie hatten den fraglichen Pass in der Nähe eines toten Attentäters beim Stade de France gefunden. Ein gleichzeitig dort gefundenes ägyptisches Papier wurde zuerst als Spur angesehen, stammte aber von einem Opfer.

Der Weg des Passes

Die Geschichte des Passes von Ahmad M. jedenfalls beginnt auf der griechischen Insel Leros. Hier wurde das Dokument am 3. Oktober registriert. Die dort abgenommenen Fingerabdrücke würden zu einem der Attentäter passen, schreibt CNN und beruft sich auf inoffizielle Quellen.

Die serbische Zeitung Blic veröffentlichte ein Foto dieses Passes und behauptet, dass M. am 7. Oktober in Serbien registriert wurde. Seine weitere Reise soll über Kroatien und Ungarn geführt haben. Folgt man der damaligen Flüchtlingsroute, dann wäre es wahrscheinlich, dass M. über den damals stark ausgelasteten Grenzübergang Nickelsdorf (oder Heiligenkreuz) durch Österreich gereist ist.

Keine Anhaltspunkte in Österreich

„Wir haben keine Anhaltspunkte und gesicherten Informationen“, sagt dazu Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums. Man sei mit den französischen Ermittlern in Kontakt, Österreich müsse nicht zwingend auf der Route gelegen haben. „Das ist im Moment noch alles im Bereich der Spekulation“, sagt er.

Wenn Ahmad M. doch über Österreich gereist wäre, hätten die Polizisten nur wenig Chancen, es wie in Serbien oder Griechenland über Dokumente herauszufinden. Denn ob und wie viele Flüchtlinge an der Grenze registriert wurden, ist unklar. Aus Nickelsdorf und Heiligenkreuz gibt es darüber keine Berichte oder Bestätigungen.

Keine lückenlose Registrierung

Im südsteirischen Spielfeld habe es eigens dafür erstellte Formulare gegeben, sagte der steirische Polizeipressesprecher Fritz Grundnig bei einem Gespräch vor einer Woche. Man sammle Namen, Geburtsdatum und Herkunftsland. Überprüfen könne man die Angaben nur, wenn Dokumente vorhanden seien.

Wie die Registrierung abläuft, kommentiert ein anderer Polizist zynisch unter der Bedingung, dass sein Name nicht genannt wird. „Ich frage nach dem Namen, der sagt Bill Gates. Dann frage ich: Gut, Herr Gates, wann und wo sind Sie geboren? Das war’s.“

Noch dazu wurde die Registrierung immer wieder ausgesetzt, wenn der Druck in der wartenden Menschenmasse zu stark wurde. Wie viele Menschen am Ende registriert wurden, kann Grundnik nicht sagen. Die Daten seien nicht in einen Computer eingegeben worden, sondern wurden in Papierstapeln gesammelt.

Mit anderen Worten: Der Name Ahmad M. wird nur schwer auffindbar sein. „Es wurde entlang der Route nicht lückenlos registriert, das ist kein Geheimnis“, sagt Innenministeriumssprecher Grundböck. Wie man den französischen Ermittlern dann helfen wolle, herauszufinden, wie M. hergekommen ist? „Wir unterstützen die französischen Behörden, wo es geht“, sagt er.

Fest steht aber auch: Selbst wenn die österreichischen Polizisten den Namen Ahmad M. in ihren Papierstapeln vermerkt hätten, wäre er wohl genauso wie in Griechenland und Serbien weitergeschickt worden. Laut französischer Polizei war der Mann nicht amtsbekannt, in den Datenbanken fand sich kein Eintrag.

Unklar ist, warum der Attentäter seinen Pass zu einer Selbstmordaktion mittrug. Der Terrorexperte Charlie Winter geht davon aus, dass die Gruppe Islamischer Staat bewusst eine Spur legen wollte. Sie hatte in der Vergangenheit Syrer bedroht, die aus dem Kriegsgebiet nach Europa fliehen.