Screenshot Video Andreas Khol

Randnotiz: Bundespräsidentenwahl

Alsdann, Präsident!

Meinung / von Barbara Kaufmann / 11.01.2016

Andreas Khol hat ein Video gemacht. Ungeachtet vieler Kritikpunkte ist es eines sicher nicht: anbiedernd. 

Man kann Andreas Khol vieles vorwerfen, aber eines ganz bestimmt nicht: dass er für seinen Wahlkampf neue Zielgruppen erschließen will. In dem gestern Nachmittag veröffentlichten Wahl-Video, das jetzt schon Potenzial zum politischen Kultfilm 2016 hat, tut er nämlich eines mit Sicherheit nicht: sich an die junge, urbane Wählerschicht, die sich da so im Internet und auf YouTube herumtreibt, anbiedern. Es ist eher der etwas holprig geschnittene Vortrag eines soliden Monologs des Konservativen, in dem er seine Überraschung über die Aufstellung als ÖVP-Kandidat nicht sonderlich verhehlt. Na alsdann, scheint er zwischen den Zeilen zu sagen, Sie haben doch auch schon erlebt, dass man Ihnen was umhängt, zu dem Sie nun wirklich keine Lust haben, was aber einfach gemacht gehört.

Eine Einstellung, die seiner Altersgruppe vertraut sein dürfte und gerade deshalb ankommen könnte. In der Nachkriegszeit war aufgrund der wirtschaftlichen Not oft kein Platz für persönliche Bedürfnisse und individuelles Glück. Man nahm Jobs an, um zu überleben. Nicht um sich selbst zu verwirklichen. Und ging Verbindungen oftmals aus denselben Gründen ein. Nicht aus Romantik, sondern aus Pragmatik. Na alsdann, dann nehm ich halt den Huber Franz, der hat einen sicheren Posten. Die so geschlossenen Vernunftehen haben auch meist länger gehalten als die heutigen Beziehungen, weil man kaum Erwartungen aneinander hatte.

Vielleicht geht es Andreas Khol ja nicht unähnlich mit dem Amt des Bundespräsidenten. Er versucht zumindest erst gar nicht, seine Kandidatur als visionär und zukunftsorientiert zu verkaufen. Ich hab für euch schon auf Peter Westenthaler aufgepasst, ich mach euch auch den Bundespräsidenten, auch wenn ich eigentlich keine Lust darauf hab, scheint seine Körpersprache bei der Präsentation ebenso wie in dem Wahlkampfvideo zu vermitteln. Na alsdann.