Being Reinhold Lopatka: Wen würden Sie abwerben?

von Moritz Gottsauner / 12.06.2015

Wechsel-Gerüchte bringen das Parlament derzeit zum Brodeln. Wen wirbt die ÖVP als Nächstes ab? Im Team Stronach fänden sich jedenfalls noch ein paar Kandidaten. Raten Sie mit.

Auch wenn er es öffentlich dementiert: Aus mehreren Parteien hört man derzeit von Annäherungsversuchen „eines gewissen Klubobmanns L.“, wie es diskret heißt. Reinhold Lopatka hat schon erfolgreich zwei Abgeordnete des Team Stronach abgeworben und die meisten Beobachter gehen davon aus, dass er damit noch nicht fertig ist.

Sollte eine schwarz-blaue Mehrheit das Ziel dieser Aktion sein, musste der umtriebige Klubobmann jedenfalls jüngst einen Rückschlag erleiden: Heinz-Christian Straches Machtdemonstration in Salzburg wird wohl zu zwei Klubsaustritten bei den Freiheitlichen führen. Lopatka fehlen nun statt drei Abgeordneten also zwei weitere auf eine Mehrheit von 92 Mandaten. Seine „Magic Number“ hat sich auf fünf erhöht.

Das erodierende Team Stronach dürfte sein bevorzugtes Revier sein. Aber wer ist da noch dabei? Wir dürfen mit einem Überblick inklusive Wechselstatistik der Klubmitglieder behilflich sein. Auch ob sie schon einmal als wilde Abgeordnete ein eher tristes Dasein gefristet haben, könnte ihre Entscheidung beeinflussen. Denn sollte die Stärke des Klubs von derzeit neun auf unter fünf fallen, gehen der Klubstatus und damit alle Privilegien verloren. Die Übrigbleiber hätten also schlechte Karten.

Versetzen Sie sich also in Reinhold Lopatka hinein und sagen Sie seinen nächsten Coup in den Kommentaren voraus (wenn es denn überhaupt einen gibt). Hier die aktuellen Klubmitglieder des Team Stronach im Kurzporträt in mehr oder weniger zufälliger Reihenfolge:

 

1. Waltraud Dietrich – die Eiserne Lady

Klubwechsel: 0
Parteiwechsel: 1
Wilde Vergangenheit: nein

Die aktuelle Klubobfrau des Team Stronach hat nichts zu lachen, laufen ihr doch derzeit die Klubmitglieder davon. Und wenn man den Gerüchten glauben will, gibt es noch ein paar Wackelkandidaten in den eigenen Reihen, darunter etwa ihre Vorgängerin Kathrin Nachbaur.

Dietrich sitzt seit Beginn der Legislaturperiode im Nationalrat. Sie hat zwar noch nie den Klub gewechselt, war aber von 1996 bis 2005 Landtagsabgeordnete für die FPÖ in der Steiermark. 2006 ist sie aus der FPÖ ausgetreten. Sie hat also schon einen Parteiwechsel hinter sich. Über Lopatkas Avancen hat sie sich sehr missbilligend geäußert. Einmal sei sie sogar danebengestanden, während bei einem ihrer Klubmitglieder ein telefonischer Abwerbeversuch unternommen wurde.

 

2. Kathrin Nachbaur – die Favoritin

Klubwechsel: 0
Parteiwechsel: 0
Wilde Vergangenheit: nein

Kathrin Nachbaur ist Dietrichs Vorgängerin als Klubobfrau des Team Stronach, hat die Funktion aber wegen der Geburt ihres Sohnes, wohl aber auch aufgrund eines Zerwürfnisses mit Patriarch Frank Stronach vergangenen Februar abgegeben.

Wie Dietrich sitzt Nachbaur erst seit 2013 im Nationalrat, davor war sie seit 2011 in der Stronach Group angestellt. Sie hat also noch keinen Wechsel hinter sich, ein Überlaufen zum ÖVP-Klub wäre für sie also eine Premiere. Laut Gerüchteküche ist sie jedenfalls eine Top-Kandidatin für einen Wechsel. Zunächst aber ließ sie Robert Lugar am Rande des U-Ausschusses für sich dementieren.

 

3. Robert Lugar – der Wilde

Klubwechsel: 1
Parteiwechsel: 2
Wilde Vergangenheit: ja

Robert Lugar ist wohl neben Nachbaur der profilierteste der Stronach-Getreuen im Nationalrat, nicht zuletzt aufgrund seiner Mitgliedschaft im U-Ausschuss. Er war vor der Nationalratswahl 2013 auch Klubobmann des Teams, nachdem Frank Stronach genügend Abgeordnete aus dem BZÖ abgeworben hatte.

Lugar kommt ursprünglich aus dem blauen Lager und dem Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender. 2008 zog er auf einem BZÖ-Ticket in den Nationalrat ein, trat Ende 2011 nach einigen Querelen aus dem Klub aus und trat nach einem Jahr des Daseins als wilder Abgeordneter dem Team-Stronach-Klub bei. Er hat also sowohl mit Partei- als auch mit Klubwechseln Erfahrung. Aber: Sein prominenter U-Ausschuss-Posten hängt am Klub. Kann er es sich leisten, ihn zu verlieren?

 

4. Martina Schenk – die Veteranin

Klubwechsel: 1
Parteiwechsel: 2
Wilde Vergangenheit: nein

Martina Schenk kann man schon fast als die Polit-Veteranin des Team Stronach bezeichnen. Sie startete ihre Karriere in der FPÖ Jörg Haiders, war Mitarbeiterin in seinem Parlamentsbüro sowie in jenem von Susanne Riess-Passer von 1995 bis 2000.

Nach der Spaltung blieb sie zunächst noch als Bundesgeschäftsführerin drei Jahre bei der FPÖ, zog dann aber 2008 auf einem BZÖ-Ticket erstmals in den Nationalrat ein und wechselte vor der Nationalratswahl zum Team Stronach. Sie hat also so ziemlich alle möglichen Stationen durchgemacht. Fraglich, ob sie sich noch einen Wechsel antut. Oder?

 

5. Christoph Hagen – der Bulle

Klubwechsel: 1
Parteiwechsel: 1
Wilde Vergangenheit: ja

Auch Christoph Hagen hat eine bewegte Karriere hinter sich. Als Polizist von Beruf ging er von 1999 bis 2004 für die Freiheitlichen im Bundesrat auf Streife und wechselte nach einer Pause im Jahr 2008 für das BZÖ in den Nationalrat. Ende 2010 trat er aus dem BZÖ-Klub aus und verbrachte dort knapp zwei Wochen als wilder Abgeordneter. Danach trat er nach einer Abwerbe-Aktion Stronachs dem Team bei. Auch sein Name kommt gerüchteweise auf der Kandidatenliste vor.

 

6. Leopold Steinbichler – der Bauernrebell

Klubwechsel: 0
Parteiwechsel: 1
Wilde Vergangenheit: nein

Leopold Steinbichler ist zumindest im Parlament eine schillernde Figur. Seine Reden versucht er, regelmäßig mit allerlei Requisiten aufzupeppen, ob mit Salami aus der Packung oder einem heimischen Christbaum im Topf, der sich schließlich als japanisch herausstellt.

Der Landwirt aus Oberösterreich ist ein stronachscher Quereinsteiger – auf den ersten Blick. Denn in grauer Vorzeit diente Steinbichler tatsächlich auch mal als Bundesrat der ÖVP, von 1997 bis 2003. Als Ex-Schwarzer und Einzelkämpfer macht ihn das vermutlich ebenfalls zu einem lohnenden Abwerbe-Ziel. Er hat aber schon energisch dementiert: Er sei nicht käuflich, sagte er dem Standard.

 

7. Jessi Lintl – die Innenstadt-Option

Klubwechsel: 0
Parteiwechsel: 1
Wilde Vergangenheit: ja

Jessi Lintl ist seit dieser Legislaturperiode Nationalrätin, aber ihre politische Karriere reicht noch ein Stückchen länger zurück: Seit 2010 ist sie stellvertretende Bezirksvorsteherin des 1. Wiener Gemeindebezirks Innere Stadt, zunächst auf ÖVP-Seite, derzeit aber klubfrei. Sie hat also schon einen Parteiwechsel hinter sich und ihre Vergangenheit bei der ÖVP würde sie auf dem Papier zum idealen Ziel für einen gewissen Reinhold L. machen.

 

8. Rouven Ertlschweiger – der Unerreichbare

Klubwechsel: 0
Parteiwechsel: 0
Wilde Vergangenheit: nein

Rouven Ertlschweiger kommt aus dem journalistischen Bereich und war von 2002 bis 2012 Chef vom Dienst bei den Niederösterreichischen Nachrichten, also an bedeutender Position mitten im schwarzen Kernland Niederösterreich. Daraufhin wechselte er als Medienmanager an das Frank Stronach Institut, bevor er im Jänner 2014 in den Nationalrat für das Team Stronach nachrückte. Neben Kathrin Nachbaur betreffen die jüngsten Wechselgerüchte ihn. Für seinen eigenen Klub war er vorgestern aufgrund eines Telefonwechsels den ganzen Tag über nicht erreichbar.

 

9. Ulrike Weigerstorfer – Franks Bastion

Klubwechsel: 0
Parteiwechsel: 0
Wilde Vergangenheit: nein

Ulrike Weigerstorfers Karriere begann mit einem Knall, als sie 1987 in London als zweite Österreicherin in der Geschichte zur Miss World gekürt wurde. Von 2003 bis 2009 arbeitete die als Kommunikationsleiterin des Magna Racino, der Pferderennstrecke von Frank Stronach in Ebreichsdorf. Nach der Nationalratswahl 2013 rückte sie für die zurückgetretene Monika Lindner in den Nationalrat auf. Weigerstorfer kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht für einen Wechsel infrage: Erst vor einer Woche hat sie Frank Stronach zur CEO des Magna Racino befördert.