APA/ROLAND SCHLAGER

Randnotiz

Böser, böser E-Bus

von Moritz Gottsauner / 16.02.2016

Die Elektro-Busse in der Wiener Innenstadt waren recht teuer, kritisiert der Rechnungshof. Wieviel Öko kosten darf, ist allerdings auch eine politische Frage. 

Der Rechnungshof dürfte nicht sonderlich zufrieden mit den Wiener Linien sein. Zumindest geht das aus einem Rohbericht hervor, den die Presse erhalten hat. Hohe Kosten, teure Studien, mangelnde Planung sind demnach darin angeführt. Private Betreiber, die einige Strecken in Wien versorgen, sollen sogar um 43,5 Prozent günstiger unterwegs gewesen sein, als Busse des städtischen Unternehmens.

Das schaut gar nicht gut aus. Da es sich um einen Rohbericht handelt, wartet der Rechnungshof noch auf eine Stellungnahme der Wiener Linien. Mit dem Endbericht ist wohl erst in einigen Monaten zu rechnen.

Ein Kritikpunkt aber betrifft die vor vier Jahren in Betrieb gegangen Elektro-Busse in der Wiener Innenstadt. 12 Stück sind es an der Zahl. Der Rechnungshof bemängelt, dass die Anschaffungskosten 45 Prozent über jenen vergleichbarer Dieselbusse lägen. „Kopfschütteln“ hätte die Prüfer laut Presse daraufhin erfasst.

Genau dieser Punkt wirkt allerdings kleinlich: Dass Elektrofahrzeuge mehr kosten als herkömmliche mit Verbrennungsmotor, ist nicht überraschend. Eigentlich könnte der Preisunterschied auch als erstaunlich niedrig angesehen werden, zieht man in Betracht, dass diese Busse in Wien erstmals zum Einsatz kamen. Außerdem dürften, laut Hersteller wohlgemerkt, Wartungskosten und Energieverbrauch geringer als bei Dieselbussen sein.

Alternative Modelle scheint es also nicht gegeben zu haben. Die Kritik würde folglich auch auf die strategischen Überlegungen der Wiener Linien in Sachen Umweltverträglichkeit abzielen. Wie weit der Rechnungshof bei seinem Urteil greifen kann, geht aus seinen Prüfungsmaßstäben hervor.

„Prüfungsmaßstäbe des Rechnungshofes sind die gesetzlichen Grundsätze der Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit auf der Grundlage der Ordnungsmäßigkeit und Rechtmäßigkeit. Er überprüft, ob die Gebarung der staatlichen Stellen diesen Grundsätzen entspricht und erarbeitet Empfehlungen, wie die überprüfte Stelle ihre Ziele und Aufgaben sparsam, wirtschaftlich und zweckmäßig erfüllen kann.“

Der Rechnungshof beurteilt also die Art und Weise, wie Ziele erreicht werden – nicht unbedingt, welche Ziele verfolgt werden sollten. Das sind politische oder Fragen der Unternehmensstrategie, die auf diesen Ebenen zu klären wären. Folgerichtig liegt die Beschaffung laut Bericht auch in „einem Spannungsfeld zwischen ökologischer Zweckmäßigkeit und dem Grundsatz der Sparsamkeit.“ Aber wo liegt die Grenze? Und was, wenn der E-Bus ganze 300 Prozent mehr gekostet hätte?

Dass die Kosten am Ende doch höher als erwartet ausfielen und es beim Bau von Ladestationen ebenfalls zu Überschreitungen kam, ist ohne Zweifel kritikwürdig. Man kann argumentieren, dass das Ziel eines ökologischeren öffentlichen Verkehrs auch auf andere Weise hätte erreicht werden können.

Es gibt jedenfalls auch Argumente dafür, dass die Anschaffung einer kleinen Zahl von E-Bussen eine teure, aber durchaus legitime Investition darstellt. Früh in eine Zukunftstechnologie einzusteigen kann riskant sein, aber im Fall ihres Erfolgs einen Vorsprung verschaffen. E-Busse machen weniger Lärm, erzeugen dort, wo sie fahren, keine Abgase. Und ja, ein bisschen Image-Werbung für Stadt und Technik erzeugen sie auch.