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Randnotiz

Dank dir, aber wofür?

Meinung / von Yvonne Widler / 12.01.2016

Aktuell inseriert das Bundesministerium für Familien und Jugend in unterschiedlichen österreichischen Medien mit der Kampagne „Dank dir hat Österreich Zukunft.“ Eines der Sujets zeigt eine glücklich aussehende Mutter mit ihrem lachenden Kind im Arm. „Dank dir wurde ich von der Vorstandssprecherin zur Mutter. Und das sehe ich auch heute noch als Beförderung“, steht da geschrieben.

Das Sujet wirft jedoch einige Fragen auf. Wem ist die Frau dankbar? Ihrem Kind? Das ist unlogisch. Sich selber? Ihrem Partner? Dem Staat? Und warum ist die Frau auf dem Bild nun dankbar? Weil sie Mutter ist? Oder ist sie aber so dankbar, weil in Österreich – nach wie vor – Frauen den Großteil der Kinderbetreuung übernehmen? Möchte man Frauen dazu motivieren, ihre Vorstandssprecherinnen-Jobs aufzugeben? Wäre es nicht sinnvoller, über geteilte Karenzlösungen, Jobbrückkehr nach der Karenz oder eine Möglichkeit der Teilzeit-Arbeit zu reden, anstatt dem reinen Mutterdasein eine fast heilig anmutende Rolle (und Körperhaltung) zuzuweisen? Auch User in den sozialen Medien sind irritiert:

Wenn die die Werbung mal an Männer richten, und Richtung Karenz teilen gehen und wir auch nach der Karenzzeit zurück in den Job können, weil wir noch einen haben, dann haben wir auch weitaus mehr Anstoß Mütter zu werden!

Ich bin Mutter – aber grad noch im Schock über das Plakat!

Na bumm. Das ist schon sehr heftig …

Der Pressesprecher des Bundesministeriums für Familien und Jugend winkt ab. Das sei keinesfalls so gemeint und würde ja auch allen gesetzten und geplanten Maßnahmen widersprechen. Das Sujet ziele auf die mögliche Vereinbarkeit von Beruf und Mutterrolle ab. Ganz bewusst hat man sich für die Kombination „Frau und Vorstandssprecherin“ entschieden, da es früher immer nur die Männer gewesen seien, die solche Karrieren lebten – ein Hoch also auf die Damen, die für die männlichen Vorstände kommunizieren dürfen!

Mit der modernen Familienpolitik und dieser Anzeige soll gezeigt werden, dass es auch Fälle gibt, wo die Frau einen hochrangigen Job innehat und sich trotzdem zusätzlich für ein Kind entscheidet. Studien würden nämlich besagen, dass der Kinderwunsch bei Frauen, die ihn immer weiter nach hinten verschieben, immer unwahrscheinlicher wird.

Nun ist es doch so, dass die Vorstandssprecherin Mutter sein sollte, wenn sie das möchte – aber nicht entweder oder. Anscheinend war das Sujet auch so gemeint. Das steht aber eigentlich nicht da.

Stattdessen steht geschrieben, die Frau wurde von der Vorstandssprecherin zur Mutter. Sie sehe das auch heute noch als Beförderung. Das Leben werde reicher dank Kindern. Nicht nur das Leben ihrer Eltern, sondern vor allem das unserer gesamten Gesellschaft werde bereichert. Und: Österreich solle zum familienfreundlichsten Land Europas werden. Das hört sich in der Theorie eigentlich recht gut an.

Auf dem Sujet wird zudem auf die Erhöhung der Familienbeihilfe ab Jänner 2016 hingewiesen. Eine parlamentarische Anfrage zu der Kampagne bezüglich Kosten, Sinn und Zweck ist bereits eingegangen.

Parlamentarische Anfrage, eingereicht von Anneliese Kitzmüller