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Randnotiz

Das AMS und der Untergang des Abendlandes

Meinung / von Christoph Zotter / 03.12.2015

Falsch verstandene Toleranz sei das. Absurd. Verrat. Am Mittwochmorgen hat die ÖVP beschlossen, dass sie über Grundwerte reden will. Die seien bedroht. Der Außenminister kritisierte, der Generalsekretär sprang bei, der Wien-Chef polterte.

Es geht um die Frage, ob Männer und Frauen gemeinsam oder getrennt in bestimmten AMS-Kursen sitzen sollen. Konkret geht es um die Kompetenzchecks für Flüchtlinge. Noch konkreter um jene, die Arabisch oder Farsi sprechen. Was dabei keiner ausspricht, aber mitschwingt: Es geht um Muslime. Und die, so das pauschale Urteil, haben doch alle ein Problem mit ihrem Frauenbild.

Nun fordert die ÖVP, die sollten sich anpassen. Keine Geschlechtertrennung beim AMS! Vom ersten Tag an! Der SPÖ-Sozialminister findet das blöd, man müsse den Flüchtlingen entgegenkommen. Die seien halt so. Die Wiener AMS-Chefin wiederum sagt: Es gäbe manchmal gemischte, manchmal getrennte Kurse.

Man kann sich fragen, was das für ein Land ist, in dem sich die Grundwerte daran messen lassen, wer mit wem in einem AMS-Kurs sitzt. Man kann aber auch ernst bleiben und fragen: Warum sollen die Leute das nicht selbst entscheiden können?

Denn es kann durchaus sinnvoll sein, einen eigenen Kurs für Frauen und Männer zu haben. Eine Frau, die von patriarchischen Machos herumgeschubst wird, wäre vermutlich dankbar, wenn sie einen Tag mal ohne Männer auskommen könnte. Vielleicht könnte sie davon sogar profitieren. Wenn es um deutsche Mädchen geht, scheint die Debatte um getrennte Klassen zumindest legitim zu sein.

Wenn Sebastian Kurz es ernst meint, dann sollte er konsequent sein. Er könnte zum Beispiel fordern, die letzten Mädchenschulen in Österreich zu verbieten. Oder er atmet tief durch und sagt sich: An nach Geschlechtern getrennten Kompetenzchecks am AMS wird das Abendland nicht zu Grunde gehen.