Durchschnittsalter des Bundespersonals (Beamte und Verwaltungsbedienstete) 2013

Der Beamtenapparat ist überaltert. Die Folgen wird die Politik bald nicht mehr ignorieren können

von Moritz Moser / 17.12.2014

Der Altersdurchschnitt in der Bundesverwaltung nimmt stetig zu. 56 Prozent der Verwaltungsbediensteten sind 45 oder älter. Die Bundesregierung will nächstes Jahr trotzdem jede zweite Pensionierung nicht nachbesetzen. Die Sparpolitik beim Personal könnte sich später rächen.

Das Durchschnittsalter der Bundesbediensteten lag 2013 bei 45,2 Jahren, ganze 5,7 Jahre über jenem der Beschäftigten in der Privatwirtschaft. Der Hauptgrund ist der zum Teil notwendige, aber ziellos erfolgte Personalabbau seit den 90ern. Besonders in den Zentralverwaltungen der Ministerien wurden durch die jahrzehntelange Austeritätspolitik im Personalwesen kaum junge Menschen eingestellt. 2012 waren bereits 38,5 Prozent der Bundesbediensteten über 50 Jahre alt.

Systematisch überaltert

In den nächsten zehn Jahren steht dem Bundesdienst eine massive Pensionierungswelle bevor. Über 25.000 Bundesbedienstete werden bis 2017 in die Altersgruppe der 60- bis 65-Jährigen wandern. Den fast 6.000 50-Jährigen stehen schon heute nicht einmal 2.000 30-Jährige gegenüber. Während bei Lehrern und Exekutive eine gewisse Verjüngung vorgenommen werden musste, ist die Situation in der restlichen Verwaltung wesentlich prekärer. Sektionschef Hermann Feiner vom Innenministerium bestätigt die angespannte Personalsituation im Gespräch mit NZZ.at: „Seit 1997 hat man de facto mit wenigen Phasen der Öffnung den Aufnahmestopp fast konsequent durchgesetzt. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass man Nachwuchsprobleme hat.“

Durchschnittsalter des Bundespersonals (Beamte und Vertragsbedienstete) 2013

Personalprovisorien helfen nur bedingt

Der Bund behilft sich währenddessen mit Ausgliederungen, Praktikanten, Leiharbeitern und freien Dienstnehmern. Für Mitarbeiter müssen so keine neuen Posten im Bundesstellenplan geschaffen werden. Sie können als Sachaufwand verbucht werden. Personal über die Sachkosten abzurechnen, kann den Humanressourcenverlust im öffentlichen Dienst aber nur prolongieren, nicht aufhalten. Verwaltungspraktikanten verlassen die Ministerien und Behörden nach spätestens einem Jahr, mit ihnen geht das Wissen, das sie sich in dieser Zeit angeeignet haben. Der Bund hat mittlerweile die ordentliche Bezahlung dieser Ausbildungsform umgesetzt. Ursprünglich verdienten junge Akademiker im Verwaltungspraktikum unter 1.000 Euro netto, mittlerweile erhalten sie das reguläre Einstiegsgehalt. Hermann Feiner sieht darin eine Verbesserung:

„Früher waren die Praktika ja zum Teil überhaupt unentgeltlich, das ist ja inakzeptabel. Das sind ja hochgebildete Leute. Was für ein Signal geben wir, wenn wir einerseits sagen, dass Bildung die Kernressource für die europäischen Volkswirtschaften ist, aber andererseits, dass sich die Privatwirtschaft darum kümmern soll? Uns geht eine ganze Generation an hochqualifizierten jungen Leuten verloren.“

Probleme in der Zukunft

In der momentanen Budgetsituation sieht sich die Politik außerstande, den Generationenverlust abzuwenden. Der 2012 verhängte Aufnahmestopp wird 2015 zwar gelockert, aber dann soll immer noch jede zweite Pensionierung nicht nachbesetzt werden. Gleichzeitig verharren die wenigen Jungen, die es in den Verwaltungsdienst schaffen, oft jahrelang auf Karenzstellen.

Die Vertretungsposten sind neben Praktika, Leiharbeit und Werkverträgen die einzige Möglichkeit für die Personalabteilungen, die allgemeine Stellennot zu bekämpfen. Wenn eine Aufnahmeaktion des Bundes, die früher oder später kommen wird, mit einer Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs zusammenfällt, wird es dem Staat schwerfallen, bei der Personalauswahl konkurrenzfähig zu sein. Relativ niedrige Einstiegsgehälter – ein neues Beamtendienstrecht lässt nach wie vor auf sich warten – und eine vierjährige Ausbildungsphase machen den Eintritt in den Staatsdienst für qualifizierte Personen wenig interessant. Diese Personen wären vor allem in wirtschaftlich schwachen Zeiten bereit, einen schlechter bezahlten, aber sicheren Job anzunehmen. Dass die öffentliche Hand diese Situation nutzen könnte, ist derzeit nicht absehbar.