Elisalex Henckel

Flüchtlinge

Der Heimreisehelfer

von Elisalex Henckel / 06.02.2016

Mit der Zahl der Flüchtlinge insgesamt ist auch die Zahl jener gestiegen, die freiwillig in ihre Herkunftsländer zurückkehren wollen. Christian Fackler leitet ein Berater-Team der Caritas, das sie dabei unterstützt.

(Infografiken: Gerald Gartner)

Der Weg zum Flughafen sei immer emotional, sagt Christian Fackler. Mal sei es die Enttäuschung über das Erlebte, mal die Vorfreude auf zu Hause, meistens eine Mischung aus beidem.

Fackler hat schon viele Flüchtlinge nach Schwechat begleitet. Er arbeitet seit 15 Jahren bei der Rückkehrhilfe der Caritas, einer Beratungsstelle für Asylwerber und Menschen ohne Aufenthaltsberechtigung, die in ihre Herkunftsländer zurückkehren wollen. Als Fackler begann, war er noch Zivildiener, inzwischen leitet er die Einrichtung, die im ersten Stock eines Zinshauses in der Wiener Blindengasse untergebracht ist.

Vergangenes Jahr hatten zwei Drittel der Menschen, die mit Hilfe der Caritas ausreisten, noch keinen negativen Asylbescheid. Manche waren enttäuscht über die Versorgungssituation, andere beklagten die Länge der Verfahren, wieder andere wollten aufgrund familiärer Notfälle zurück. „Den einen typischen Fall gibt es nicht“, sagt Fackler. „Aber natürlich hat es oft mit zu hohen Erwartungen zu tun.“

Im Zentrum steht der „Klient“

Die sechs Berater in Facklers Team versuchen, ihre „Klienten“ bestmöglich zu beraten. Das kann auch dazu führen, dass sie einem Asylwerber mit guten Chancen im Verfahren davon abraten, aus Sehnsucht nach seiner Familie vorzeitig alles hinzuschmeißen und nach Hause zu fliegen. „Wir haben noch nie eine Rückkehr abgelehnt, wenn sie faktisch möglich war“, sagt Fackler. „Aber wenn wir den Eindruck haben, das ist eine Kurzschlussreaktion, dann versuchen wir zumindest, ein bisschen auf Zeit zu spielen.“

Seit vergangenem Herbst haben seine Leute deutlich mehr zu tun als früher, auch wenn die Zahl der freiwilligen Rückkehrer keineswegs so gestiegen ist wie die Zahl der Flüchtlinge insgesamt.


Credits: Gerald Gartner

Ein stärkeres Interesse an Heimreisen verzeichnet aber auch Günter Ecker, der Geschäftsführer des Vereins Menschenrechte Österreich (VMÖ), der noch deutlich mehr Rückkehrer betreut als die Caritas. Gemeinsam haben die beiden Organisationen vergangenes Jahr 4.006 Ausreisen organisiert.


Credits: Gerald Gartner

Credits: Gerald Gartner

Christian Fackler warnt aber davor, aus dem größeren Interesse an Rückkehrhilfe allgemeine Schlüsse über die Herkunftsländer der Flüchtlinge zu ziehen. Zum einen seien die meisten Länder nicht überall gleich sicher oder unsicher, sagt er. „Die Situation vor Ort ist sehr viel kleinzelliger und komplexer, als wir sie uns hier vorstellen.“

Zum anderen handele es sich bei den freiwilligen Heimkehrern gemessen an der Gesamtzahl der Geflüchteten immer noch um eine sehr kleine Minderheit, die aus oft sehr persönlichen Gründen bereit ist, ein hohes Risiko auf sich zu nehmen. Das gelte keineswegs nur für Syrer, die aus gutem Grund nach wie vor nur sehr selten in ihre Heimat zurückreisen.

Wie lässt sich die Zahl der Ausreisen erhöhen?

Das Innenministerium will jetzt die Anreize für eine freiwillige Ausreise verstärken. Dazu soll vor allem die „Rückkehrhilfe“ von derzeit maximal 370 auf 500 Euro erhöht und gestaffelt werdenDie „Rückkehrhilfe“ soll 500 Euro betragen, wenn die Ausreise in den ersten drei Monaten nach Antragstellung erfolgt, ohne die Entscheidung darüber abzuwarten bzw. wenn die Person nach einer negativen Entscheidung nicht mehr in Berufung geht und ausreist. Wenn die Ausreise innerhalb von sechs Monaten nach Antragstellung erfolgt bzw. nach einem negativen Bescheid in zweiter Instanz, ohne in Berufung zu gehen, soll es 250 Euro geben. .

Christian Fackler begrüßt die geplante Erhöhung, warnt aber vor zu starken Eingriffen, um die Zahl der freiwilligen Rückreisen zu steigern. Das gefährde entweder das Prinzip der Freiwilligkeit – oder könnte ohne entsprechende Abstimmung mit anderen EU-Ländern dazu führen, dass Österreich bei gewissen Gruppen besonders attraktiv werde.

Der langjährige Caritas-Mitarbeiter plädiert stattdessen dafür, die Rückkehrhilfe in Europa zu vereinheitlichen und Reintegrationsprogramme, wie sie die Internationale Organisation für Migration (IOM) derzeit beispielsweise in Afghanistan, Pakistan oder TschetschenienDie Programme bestehen laut Christian Fackler aus einer „kleinen Barkomponente“ von bis zu 500 Euro sowie Sachleistungen im Wert von 2.000 bis 3.000 Euro. Manchen Teilnehmern würden Kurse bezahlt, andere bei der Arbeitssuche oder der Betriebsgründung unterstützt. Dabei könne es beispielsweise um die Miete für ein Geschäftslokal oder die Anschaffung von Werkzeug oder einem gebrauchten Auto gehen. anbietet, auch im Irak, in Bangladesch und Nigeria (wieder)aufzubauen.

„Viele empfinden eine Rückkehr als Eingeständnis ihres Scheiterns“, sagt Fackler. Wenn man hingegen mit einem Programm im Rücken gehe, könne sie zum echten Neustart werden.

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