Der lachende Landesrat

von Wolfgang Rössler / 08.06.2015

Norbert Darabos hängt seinen Job als SPÖ-Bundesgeschäftsführer an den Nagel, um im Burgenland Landesrat für Soziales zu werden. Er weiß noch nicht genau, wie er sein neues Amt anlegen wird. Aber er wirkt zufrieden. 

Sie kamen zuletzt in Schüben ins Café Landhaus gegenüber der Landesregierung. „Erst die Roten, dann die Schwarzen, dann die Freiheitlichen“, erzählt die Kellnerin. Eine informelle Sitzung bei Bier und Würsteln habe in den letzten Tagen die andere gejagt. Regierungsverhandlungen sind für sie in erster Linie geschäftsfördernd. Dass sich seit Neuestem auch Menschen von außerhalb des Burgenlandes dafür interessieren, dass sie von Wien zu einer Pressekonferenz des Landeshauptmanns anreisen, kann sie nicht verstehen. „In Eisenstadt ist ein Fahrrad umgefallen.“

So sehen das auch die Stammgäste, die kurz nach Mittag die erste Runde Bier ordern. Einer will dem Landeshauptmann soeben persönlich gratuliert haben. „Er wird schon wissen, was er tut.“ Das Er klingt amikal-anerkennend. Als wäre Hans Niessl ein Klassensprecher, oder ein Dorfbürgermeister, der eben ein neues Schwimmbad eröffnet hat. Auf jeden Fall nicht so, als wäre er ein roter Landeshauptmann, der die Bundespartei in eine ernste Identitätskrise stürzt, weil er gegen jede Regel eine Koalition mit der FPÖ besiegelt hat.

Darabos kommt, Rezar geht

Eine halbe Stunde zuvor hat Hans Niessl sein rotes Regierungsteam vorgestellt. Kurz zuvor wurde bestätigt, worüber seit Tagen spekuliert wird: Norbert Darabos, Ex-Minister und von allen Seiten gescholtener SPÖ-Bundesgeschäftsführer, wechselt als Landesrat für Soziales, Spitäler und Asylagenden nach Eisenstadt. Dafür wird der bisherige Landesrat Peter Rezar – auf dessen Kappe teure Fehlplanungen beim Krankenhaus Oberwart gehen – entmachtet.

Rot-Blau mit antifaschistischem Antlitz
Skylink-Alarm in Oberwart. Oder: Wie aus 6,7 Millionen Euro bis zu 213 werden könnten

Darabos kommt als einer der Letzten hinter Niessl in den Raum. Da steht er nun, lächelnd, putzt sich die Brille, schnäuzt sich. Niessl ist am Wort.

Diese Koalition ist ein wichtiger Schritt, weil Veränderung wichtig ist. Wir müssen auf das Wahlergebnis reagieren und sicherstellen, dass das Burgenland weiterhin sozialdemokratisch regiert wird.

Darabos lächelt noch immer, jetzt ist von ihm die Rede.

Wir haben Norbert Darabos zurückgeholt. Er ist ein ausgezeichneter Burgenland-Kenner und ein stets sehr sozial denkender Mensch.

Jetzt ist auch Darabos am Wort, er wirkt noch immer beschwingt.

Die Sozialdemokratie muss im Burgenland gestalten. Nicht nur, weil wir seit 51 Jahren den Landeshauptmann stellen. Sondern weil es sozialdemokratische Politik braucht.

Eine Radiojournalistin vom ORF hat ein Anliegen an den Noch-Bundesgeschäftsführer, der ganz am Rand steht. „Dürften wir Sie bitten, näher zu den Mikrofonen zu gehen. Sonst kann man Sie auf dem Band nicht hören.“

Darabos schmunzelt. „Das passt schon so“, sagt er.

Wie er sein neues Amt anlegen möchte, will ein anderer Journalist wissen. Ob er Pläne habe für den Umgang mit Asylwerbern, für die Gesundheitspolitik.

Nun mischt sich Niessl ein.

Details halte ich für verfrüht. Sie können nicht jemandem, der erst seit einer halben Stunde Landesrat ist, Detailfragen stellen.

Streng genommen ist Darabos noch kein Landesrat, als solcher muss er erst im Landtag gewählt werden. Wann die konstituierende Sitzung stattfinden soll, stand am Montag noch nicht fest.

Dennoch sagt er am Ende selbst etwas dazu.

Sie wissen, dass ich als Verteidigungsminister Spiegelminister der Innenministerin war.

Er sei froh, wieder daheim zu sein, sagt Darabos: „Ich komme mit einem lachenden Auge.“