APA/HANS PUNZ

Randnotiz

Der staatstragende Strache

Meinung / von Julia Herrnböck / 25.05.2016

Das große Poltern blieb aus. Keine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Kein großer Skandal, der am Tag nach dem Endergebnis der Bundespräsidentschaftswahlkampf vorgestellt wurde. Stattdessen präsentierten sich Heinz-Christian Strache und Norbert Hofer als gelassene, sportliche Verlierer. Es sind ganz neue Töne – und je leiser sie werden, um so mehr sollte man auf sie achten.

Was der FPÖ-Chef dieser Tage bietet, ist eine mehr oder minder gelungene Inszenierung als vermeintlich vernünftiger Staatstragender für die neuen Wähler. Das Wort „Wahlbetrug“ nimmt er nicht in den Mund, er reitet das giftige Pferd auf zweideutigen Anspielungen wie „Unregelmäßigkeiten“ und will auch nicht ausschließen, dass die FPÖ nicht doch noch Wahlbetrug anzeigt.

Man habe Hinweise auf Pflegeheime, in denen einiges schleierhaft gewesen sei, und dann noch die Besachwalteten, stellte er in den Raum. Aber es bleibt bei vagen Andeutungen. „Hinweise auf Unregelmäßigkeiten“ werden selbstverständlich überprüft, steht auf der Fanseite des FPÖ-Chefs – und so wird die Geschichte der Manipulation durch das Establishment weiter am Leben gehalten, ohne dass sich Strache selbst damit schmutzig machen muss. Die Geschichte vom unsauberen Wahlsieg ist ein praktischer Selbstläufer.
→ Kommentar: Wer Wahlbetrug schreit, spielt mit dem Feuer

Hört, hört

Wer ihn in den vergangenen Tagen beobachtet hat, bemerkt einen feinen Unterschied. Anders als sonst schlägt die blaue Spitze versöhnliche Töne an. Das repräsentative Amt in der Hofburg wäre zwar schön gewesen, aber es ist der FPÖ nicht wert, ihr im Wahlkampf durch den Salon-Burschenschafter Hofer aufgebautes besseres Image anzukratzen und wieder als Protest-Partei dazustehen, die eben nicht mit der Demokratie umgehen kann.

Es ist kein Wunder: Was Strache jetzt am wenigstens braucht, ist der Aufruf zu Gewalt (mit Klarnamen!) gegen Linke durch den Pöbel-Anteil der Wähler, der Hofer zwar fast in die Hofburg gebracht hat, aber eben noch nicht versteht, dass  das große Säbelrasseln nun kontraproduktiv für den Parteichef ist. Strache hat die Kanzlerschaft so nah wie noch nie vor den Augen und wird auch nicht müde, das immer wieder zu betonen. Die wild gemachten Hunde gilt es wieder einzufangen.

Hofer, der weniger laut, weniger schrill auftritt als er, hat den Boden geebnet und der Parteichef versucht nun auf diesem zu wandeln. Strache verlas deshalb auch das ganze Statement zur „Abrüstung der Worte“, das er am Dienstag auf seine Seite gestellt hatte. Andere Meinungen seien zu respektieren und Rechtsextremisten seien „Narren“ und nicht das Klientel der Freiheitlichen, hieß es weiter. Kein Aufruf, es „denen da oben“ zu zeigen – Strache ist bewusst, dass jetzt Wähler fast aller Parteien ihr Kreuz bei den Blauen gemacht haben und er sie behutsam behandeln muss, um sie nicht zu verschrecken. Kein böses Wort also in Richtung der anderen Parteien.

Kaum vorstellbar, dass die gleiche Person noch 2012 den damaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer in „Gesinnung und Statur“ mit einem Nordkoreaner und KP-Funktionär verglich und Davidsterne auf den Manschetten eines gierigen Bankiers auf einer FPÖ-Karikatur als „einfach nur Brillanten“ bezeichnete. Oder dass eben jener Mann vor einigen Jahren in denkwürdiger Gesellschaft durch den Wald gerobbt ist, um „Paintball“ zu spielen.

Straches aggressive Rhetorik scheint angesichts dieses neuen Auftretens weit weg. Vergessen ist sie nicht.