Keystone

Die böse Statistik

Meinung / von Christoph Zotter / 04.11.2015

Was man von einer Statistik über die österreichische Innenpolitik lernen kann.

Sieben Uhr, Ö1-Morgenjournal. Josef Pühringer gibt ein Interview zur Flüchtlingskrise, der oberösterreichische Landeshauptmann wird zu einem Evergreen befragt: die Unterbringungsquoten in der Flüchtlingsbetreuung (hier das Gespräch zum Nachhören).

Von Vorarlberg bis ins Burgenland sollen genügend Schlafplätze für Flüchtlinge bereitstehen, deren Asylverfahren noch läuft. Das wurde so ausgemacht. Wenn alles wie vereinbart läuft, liegt die Quote aus zugesagten und tatsächlich geschaffenen Quartieren am Ende bei hundert Prozent (oder darüber). Gerade einmal drei von neun Ländern haben das bisher geschafft.

Deren Landeshauptleute werden deswegen schon länger kritisiert. Am Dienstag haben sie die Köpfe zusammengesteckt, die Innenministerin war auch da.

Die Lösung: Bleibt die Statistik geheim, kann sich keiner aufregen. So erzählt das zumindest Josef Pühringer. Im Originalton klingt das so:

Weil man sonst wieder in der Öffentlichkeit gerügt wird, und gerade aus diesen Gründen hat die Frau Innenministerin heute vor der versammelten Landeshauptleutekonferenz gesagt, sie wird davon abgehen, diese Quote zu veröffentlichen.

Als ob das Problem in der Flüchtlingskrise wäre, dass es zu viele harte Zahlen gibt (warum genau das Gegenteil zutrifft, können Sie hier nachlesen).

Das Innenministerium stellte schnell klar, dass die Statistik weiterhin veröffentlicht wird. Sie bleibt ein Druckmittel gegen Bundesländer, die seit Jahren ihre Zusagen nicht einhalten. Ob Johanna Mikl-Leitner einen Rückzieher gemacht oder Josef Pühringer am Tag darauf etwas Falsches erzählt hat, bleibt unklar.

Fest steht: Es wurde darüber geredet. Und das ist eigentlich schon schlimm genug.

Was bleibt, ist ein Zwischenton im Konzert der Tagespolitik, der etwas über die Denkweise mancher Spitzenpolitiker des Landes erzählt: Anstatt gemeinsam darüber nachzudenken, was man aus den erhobenen Zahlen lernen kann, reden sie lieber darüber, in welcher Schublade die böse Statistik verschwinden sollte.