imago

Randnotiz

Die Polizei schafft sich ab

von Lukas Sustala / 07.01.2016

Der Wiener Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl hat nach der skandalösen Silvesternacht in Köln in einem Krone-Interview Ratschläge für Wien parat: „Frauen sollten nachts generell in Begleitung unterwegs sein, Angst-Räume meiden und in Lokalen keine Getränke von Fremden annehmen.“

Als guter Bürger möchte man der Polizei bei der Vermeidung von Straftaten und Schäden helfen:

Bargeld sollte man nur in kleinsten Mengen mit sich führen. Vom Tragen auffälligen Schmucks sollte man absehen. Wer in ein Fußballstadion geht, sollte sicherheitshalber mit einem Erste-Hilfe-Kasten unterwegs sein. In der Begegnungszone der Mariahilfer Straße empfiehlt sich darüber hinaus für Fußgänger das Tragen eines Helms. Bankgeschäfte sollten nur noch nach Abschluss eines Jusstudiums und Durchsicht aller Verträge abgeschlossen werden.

Pürstls Ratschlag wirkt freilich aus dem Kontext gerissen wenig sinnvoll. Laut Pürstl handelt sich bei dem Satz um eine völlig verkürzte und aus dem Zusammenhang gerissene Zitierung der Krone, wie Falter-Chefredakteur Florian Klenk aus dem E-Mail-Verkehr mit dem Polizeipräsidenten zitiert.

Doch klar ist: Die Antwort auf systematische Übergriffe wie in der Kölner Silvesternacht kann keine persönliche Verhaltensregel sein. Die Antwort muss systematisch sein. Darum gibt es Regeln, Gesetze und eben auch eine Polizei. Könnte man meinen.