Randnotiz

Die Registrierkassenpflicht zieht ins Land und fordert ihre ersten Opfer

Meinung / von Georg Renner / 29.02.2016

Langsam, aber sicher macht sich die Registrierkassenpflicht – gültig seit 1. Jänner, aber bis Ende März noch ohne Strafdrohung – bemerkbar:


Credits: Screenshot

Nun soll man ja nicht alles glauben, was einem so in die Timeline geschwemmt wird, aber: Sie stimmt, die Geschichte, die da an der Facebook-Wall der ÖVP gepostet wird, wie eine kurze Nachfrage bei Beate Sinowatz, Direktorin der Volksschule im burgenländischen Neufeld an der Leitha ergibt: Das lokale Geschäft, das bisher in den Pausen Snacks verkauft hat, stellt dieses Service mit Dienstag ein.

Eine kleine Anekdote nur, natürlich. Aber wer dieser Tage in Österreich unterwegs ist, hört verdächtig viele dieser Anekdoten: Der Kabarettist, der den CD-Verkauf nach der Vorstellung einstellt. Der Babyschwimmclub, der sich keine wasserfeste Kassa leisten will und daher einen halben Tag mehr Verwaltungsaufwand beim Geldeinsammeln und Registrieren in Kauf nimmt; der Fußballverein, der seine Kantine während Spielen ab jetzt nicht mehr aufsperrt.

Schon klar, an alldem wird das Abendland nicht untergehen, wie es die Wirtschaftskammer immer wieder gerne an die Wand malt (die Beiträge zur Pflichtmitgliedschaft in der Kammer kommen die meisten Unternehmen langfristig wohl teurer). Für einen gut funktionierenden Betrieb wird es kein Problem sein, noch ein bisschen mehr Verwaltungsaufwand zu bewältigen. Aber es keimen dann doch leise Zweifel, ob es wirklich die Jausentandler, Babyschwimmvereine und Kabarettisten dieser Welt sind, die bis dato jene 900 Millionen Euro im Jahr hinterzogen haben, die die Registrierkassenpflicht mittelfristig jedes Jahr ins Bundesbudget spülen soll.

Die Pflicht trifft alle Betriebe ab einem Jahresumsatz von 15.000 Euro, die mindestens 7.500 Euro in bar einnehmen – wenn der Umsatz im Freien gemacht wird, steigt die Jahresgrenze auf 30.000 Euro. Das ist ein relativ niedriges Limit – es geht um Umsatz, nicht Gewinn, wie gesagt – und wie zielgenau es funktioniert, wird sich in den kommenden Wochen zeigen: wenn das Finanzamt nämlich mit 1. April zu strafen beginnt.

Und man wird auch sehen, ob es wirklich nur kleine Anekdoten darüber sind, was die „größte Steuerreform aller Zeiten“ kaputtgemacht hat.