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Randnotiz

Die volle Härte

Meinung / von Christoph Zotter / 22.01.2016

Zumindest die Krone findet das alles super. Schnurrend schmiegte sich der Boulevardlöwe in den vergangenen Tagen an den Bundeskanzler.

Es begann mit dem Flüchtlings-Strategieschwenk-Interview. Werner Faymann gab sich hart, er habe einen Plan: Er werde jetzt die bösen Wirtschaftsflüchtlinge gleich an der Grenze von den guten Kriegsflüchtlingen trennen. Dass das in der echten Welt nicht geht, störte ihn nicht weiter. Dafür marschierten im Paralleluniversum Krone nur wenige Tage später für ihn mit Tarnfarben beschmierte Fallschirmjäger mit dem StG77 im Anschlag gen Süden, um Flüchtlinge zu stoppen.

So berichtete die Krone über eine Personalaufstockung im südsteirischen Spielfeld.
Credits: Screenshot krone.at

Es ist eine richtige Show, die das auflagenstärkste Blatt des Landes da mitmacht. 2016, das Jahr der Härte. Die Regierung ist aufgewacht, alles wird anders. Und im Vorbeigehen wird der über viele Ecken und etliche Inseratengeschäfte mit der Krone verbundene Bundeskanzler zum Retter in der Not hochgeschrieben.

Die Spät-aber-hart-Kampagne, mit der die Krone jetzt die Regierung bejubelt, fand am Mittwoch ihren vorläufigen Höhepunkt. Da wurde ein Plan präsentiert: Dieses Jahr sollen nicht mehr als insgesamt 37.500 Asylanträge in Österreich zugelassen werden. „Europa jubelt“, schrieb die Krone.

Wie das geht? Will die Regierung erst herausfinden. Was passiert, wenn mehr Anträge gestellt werden? Das sieht jeder anders.

So beschrieb die Krone die Reaktion auf den österreichischen Asylgipfel.
Credits: Screenshot krone.at

Am Ende haben SPÖ und ÖVP wieder einmal ihre altbekannten Routinen ausgepackt: Zuerst verkünden sie möglichst staatstragend und kurz ihre Lösung für ein Problem, zu dem sie sich monatelang nicht einig werden konnten, obwohl es eigentlich dann doch schon recht dringend wäre. Wenn Journalisten nachfragen, geben alle Beteiligten beider Couleurs ein bisschen andere Antworten. Die so verwirrten Österreicher dürfen dann raten, was ihnen ihre Regierung sagen will.

Ob die erdachte Grenze überhaupt möglich oder der ganze Plan nur ein Bluff ist, wissen SPÖ und ÖVP selber erst, wenn zwei in Auftrag gegebenen Rechtsgutachten dazu abgeliefert werden. Im März wird es so weit sein, sagt der Bundeskanzler.

In anderen Worten: Die Regierung weiß noch gar nicht, ob sie so hart sein darf, wie sie tut. Der Boulevard applaudiert trotzdem schon einmal.

→ Der erschreckende Plan B des Werner Faymann
 Wendekanzler Faymann? Nicht ganz