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Dürfen wir vorstellen? Frau, Staatssekretärin, „Palästinenserin“

Meinung / von Julia Herrnböck / 17.05.2016

Es ist schon ganz erstaunlich, was manche Medien in der Aufregung über ein paar neue Regierungsmitglieder als wichtig erachten. Das über die Grenzen bekannte Qualitätsportal OE24 von Wolfgang Fellners Österreich zum Beispiel versucht seinen Lesern mit knackigen Zuschreibungen ein Bild zu vermitteln: Da gibt es etwa die „Rektorin“, die Bildungsministerin wird, oder den „Steirer“ an der Spitze des Verkehrsressorts. Der „Theater-Manager“ wird Kanzlerminister. Und wer ist die Staatssekretärin? Ah. Eine „Palästinenserin“.

Österreich stellt die neue Staatssekretärin allen Ernstes nicht als „Juristin“, „Rechtsanwältin“, „ehemalige Bundesrätin“ oder „Wiener Landtagsabgeordnete“ vor, sondern als „Palästinenserin“. Das sei „nicht wertend gemeint, sondern ein interessanter Fakt“, argumentiert ein Mitglied der Online-Chefredaktion auf Nachfrage von NZZ.at. Sie sei ja nun mal die Tochter palästinensischer Einwanderer.

Dass Duzdar eine in Wien geborene Österreicherin ist, scheint weniger interessant. Oder dass sie seit rund 15 Jahren in der Politik aktiv ist, an der Sorbonne in Paris einen Master in internationalem Recht abgeschlossen hat, als außenpolitische Kennerin innerhalb der SPÖ gilt und sich intensiv mit dem Thema Wohnbau auseinandersetzt.

Hoffentlich ist das ein weiterer Anlass für die Regierung, darüber nachzudenken, welchen Medien sie künftig das (Steuer-)Geld in Form von Inseraten hinterherwerfen will. Rund 36,8 Millionen Euro sind es laut Medientransparenzdaten seit Herbst 2012 bisher gewesen, die Österreich offiziell bekommen hat.