Lilly Panholzer

BP-Wahl

Ein Balljunge namens NEOS

Meinung / von Michael Fleischhacker / 11.02.2016

Wenn die NEOS in der Gestalt ihres erweiterten Bundesvorstandes am 4. März in Innsbruck entscheiden, was sie bei der Bundespräsidentenwahl machen sollen, werden sie tun, was sie am liebsten tun: versuchen, es allen recht zu machen. Allen heißt bei NEOS immer: den sogenannten Linksliberalen und den sogenannten Rechtsliberalen, den ehemaligen LIF-Leuten und den ehemaligen ÖVP-Leuten (Liberale ohne irgendwas vorneweg, die nicht nur deshalb liberal sind, weil sie sonst nirgendwo was geworden sind, sind im Partei-Establishment nicht in der Mehrheit).

Also wird man wohl, Parteichef Matthias Strolz hat es schon angedeutet, zwei Kandidaten unterstützen: Irmgard Griss und Alexander Van der Bellen.

Soll nix Schlimmeres passieren, möchte man aufs erste Hinsehen sagen. Für jeden, der nicht ohnehin nach Parteiräson wählt und also auch dressierten Primaten seine Stimme geben würde, wenn sie das richtige Parteiabzeichen tragen, sind das genau die beiden Kandidaten, die man in Erwägung ziehen kann. Weder für Rudolf Hundstorfer noch für Andreas Khol noch für Norbert Hofer findet das denkende Gemüt irgendein Argument, das über die Parteiräson hinausreicht.

Was Alexander Van der Bellen betrifft, muss man dann aber doch eine Einschränkungen machen: Seine angeblich überparteiliche Kandidatur ist ein ziemlich schwerer Anschlag auf die Intelligenz seiner potenziellen Wähler.

Dass für die NEOS, denen erste Umfragen gezeigt haben, dass unter ihren Anhängern ungefähr 40 Prozent in Richtung Griss neigen und 40 Prozent zu Van der Bellen tendieren, der Wunsch, es allen recht zu machen, so viel stärker ausgeprägt ist als der politische Basisinstinkt, ist kein wirklich gutes Zeichen.

Dieser politische Basisinstinkt würde es der jungen Partei schon unter Normalbedingungen nicht erlauben, die grüne Überparteilichkeitsfarce durch eine Doppelempfehlung zu legitimieren. Wenn man noch dazu in Rechnung stellt, wie wehleidig sich NEOS-Spitzenfunktionäre regelmäßig über das politische Mobbing der Pinken durch die Grünen beklagen, muss man sich fragen, ob die Partei ernsthaft daran interessiert ist, auf dem politischen Spielfeld eine andere Rolle zu spielen als die des beflissenen Balljungen: immer brav da, aber nie im Spiel.