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Chartbook

Ein Jahr Flüchtlingskrise in Österreich – in Zahlen

von Bernhard Schinwald / 06.09.2016

Vor einem Jahr hat die Flüchtlingskrise mit der Öffnung der Grenze zu Ungarn ihren Höhepunkt erreicht. Innerhalb eines Jahres sind seither über 750.000 Flüchtlinge in Österreich angekommen. Die meisten davon sind unmittelbar in Richtung Deutschland und Skandinavien weitergereist. Viele haben aber auch in Österreich um Asyl angesucht. Hier die wichtigsten Zahlen im Überblick.

Mitarbeit: Leopold Stefan

Ankünfte

Die beiden Ereignisse, die für die Eindämmung des Flüchtlingsstroms entscheidend waren, waren – neben den saisonbedingten Widrigkeiten ab Mitte November – die tägliche Obergrenze zur Aufnahme von 80 Flüchtlingen und das EU-Türkei-Abkommen. Ersteres fand Nachahmer in Slowenien und Kroatien und sorgte letztlich für die Schließung der Westbalkanroute an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. Letzteres sorgte dafür, dass die Flüchtlingsbewegungen zwischen der Türkei und Griechenland beinahe gänzlich zum Erliegen gekommen sind und der Zuzug über das östliche Mittelmeer nachhaltig unterbunden wurde. Seit dem Frühjahr beläuft sich die Anzahl der täglich ankommenden Flüchtlinge im niedrigen dreistelligen Bereich. Diese Menschen kamen entweder über Italien oder über unbekannte Wege per Schlepper.

Herkunft

Die drei hauptsächlichen Herkunftsländer jener Flüchtlinge, die in Österreich um Asyl warben – Syrer, Afghanen und Iraker – decken sich mit jenen, die die UNHCR in Griechenland beobachtet hat. Einzig die Anteile sind unterschiedlich: Laut UNHCR kamen rund doppelt so viele Syrer wie Afghanen über die Türkei nach Griechenland. In Österreich waren die Unterschiede bei Asylbewerbern aus den beiden Ländern nicht nur deutlich geringer; bis auf wenige Monate gab es hierzulande mehr Asylanträge von Afghanen als von Syrern. Für Letztere war Österreich eher Durchgangsland, für Erstere eher Zielland.

Noch im Juli dieses Jahres kamen diese drei Nationen auf einen größeren Anteil als alle sonstigen zusammen. Die größten Gruppen unter den nicht genannten kommen aus dem Iran, aus Pakistan, Somalia und Nigeria.

Anerkennung

Afghanische Staatsbürger haben zwar mehr Asylanträge gestellt; eine höhere Anerkennungsquote haben hingegen die Syrer. Über 84 Prozent dieser Asylanträge wurden seit Jahresbeginn 2015 positiv entschieden und fünf Prozent negativ. Gut elf Prozent fallen unter sonstige Entscheidungen. Dazu zählen vor allem Anträge, die nicht weiterbehandelt werden konnten, weil der Asylwerber etwa in ein anderes Land weitergereist ist, nicht mehr auffindbar war, oder der Antrag sich als ungültig erwies.

Demografie

Ein typischer Asylwerber in Österreich war im letzten Jahr männlich und zwischen 18 und 34 Jahre alt. Das zeigen die demografischen Erhebungen des Innenministeriums.

Das Geschlechterverhältnis der Asylwerber in Österreich war zwischen September 2015 und Juli 2016 im Wesentlichen unverändert.

Relativ konstant entwickelte sich auch das Verhältnis der Altersgruppen unter den Asylwerbern. Flüchtlinge zwischen 18 und 24 Jahren stellten stets den größten Anteil.

Arbeitsmarkt

Auffällig in den Arbeitslosenzahlen bei Zuwanderern aus den TOP-3-Herkunftsländern ist die vergleichsweise hohe Arbeitslosenquote von Syrern. Das hat vor allem den Grund, dass viele erst vor kurzem als Kriegsflüchtlinge gekommen sind.

Auffällig ist in dieser Kurve aber auch, dass sie seit Jahresbeginn 2015 keine großen Sprünge gemacht hat. Obwohl die Zahlen zu den Ankünften und Asylanträgen zeigen, dass in großem Ausmaß arbeitsfähige Menschen nach Österreich kamen, ist in den Arbeitsmarktstatistiken davon noch nichts zu erkennen. Von den rund 25.000 arbeitslosen Asylberechtigten, die beim AMS gemeldet sind, waren im Vormonat lediglich etwa 10.000 Menschen dabei, die mit der jüngsten Flüchtlingswelle nach Österreich kamen.


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