Max Braun

Pfefferspray-Attacke gegen Flüchtlinge

„Ein zweiter Breivik“?

von Julia Herrnböck / 21.10.2015

Der Verdächtige, der am Samstag in Schottwien wegen einer Pfefferspray-Attacke gegen Flüchtlinge verhaftet wurde, ist ein rechtskräftig verurteilter Neonazi aus Dänemark. Zwei Tage nach dem Attentat hätte er eine Haftstrafe wegen Wiederbetätigung in Wien antreten müssen. 

Zwei Tage, bevor M. seine Haft antreten musste, sprühte ein Mann am Semmering einem afghanischen Asylwerber und dem Flüchtlingsbetreuer Pfefferspray ins Gesicht. Der Täter soll M. gewesen sein. Am Samstag stürmte die Cobra seine Wohnung und nahm ihn fest. Es ist auch der Tag, an dem M. wegen Wiederbetätigung ins Gefängnis musste.

Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt bestätigt, dass es sich um die gleiche Person handelt. Der Antrag auf Untersuchungshaft wurde gestellt. „Allerdings sitzt der Verdächtige derzeit in Strafhaft wegen einer anderen Sache“, führt Staatsanwältin Gunda Ebhart aus.

Für „die andere Sache“ wurde M., ein 34-jähriger Geschichte-Student aus Dänemark, am 19. Jänner 2015 am Wiener Landesgericht zu 24 Monaten verurteilt, sechs Monate davon unbedingt. Der ehemalige Kriminalbeamte und Rechtsextremismus-Experte Uwe Sailer hatte ihn angezeigt.

Mit der Cobra zum Haftantritt

Gegen das Urteil vom Jänner ging M. in Berufung. Am 2. September erklärte der Oberste Gerichtshof es für rechtskräftig. Bis zum 17. Oktober hätte M. die Haft antreten müssen, am gleichen Tag wurde er als Verdächtiger wegen Körperverletzung festgenommen. Die zwei Männer, die den Pfefferspray aus nächster Nähe in Augen und Lunge bekommen hatten, mussten im Spital in Wiener Neustadt behandelt werden. Der Tipp, dass es sich bei dem Täter um M. handeln könnte, kam von einer Gemeinderätin.

Wiederholt verherrlichte M. auf seinem rechtsextremen Blog und auf Facebook nationalsozialistische Ideologien, hetzte gegen Türken und Dunkelhäutige und rief zum Kampf für den Nationalsozialismus auf. Zum ersten Verhandlungstermin im Dezember erschien M. nicht, er wurde zur Fahndung ausgeschrieben. In der Untersuchungshaft ritzte er Hakenkreuze in den Spind und forderte „Freiheit für Gottfried Küssel“.

Befreier des Abendlands

Uwe Sailer hält M. für extrem gefährlich. „Ich stufe ihn als einen zweiten Anders Behring Breivik ein, der, genauso wie der Norweger, sich als letzter Retter des Abendlandes sieht“, sagt Sailer. Der Vergleich ist heftig, eine gedankliche Verbindung zu den Thesen des norwegischen Massenmörders besteht jedenfalls: M. wollte „das Abendland befreien“ und in europäischen Gefängnissen sitzende Neonazis herausholen, listet das Dokumentationsarchiv auf.

Bis jetzt sei M. eher als „Bildschirmtäter“ aufgefallen, ein Einzelgänger zwar, aber laut Sailer „stark sozial vernetzt“. So soll M. nicht nur im Einfluss von Küssel stehen, sondern auch mit Werner Königshofer, der wegen Verhetzung aus der FPÖ ausgeschlossen wurde, und anderen bekannten Namen aus der österreichischen Szene. „Wir beobachten ihn seit zwei Jahren intensiv. Was wir nicht wissen ist: Warum ist der nach Österreich gekommen?“, sagt Sailer.

Opfer identifizierte M.

Auch dem Verfassungsschutz ist M. schon länger bekannt. „Die Inhalte, die er ins Netz stellt, sind einschlägig“, sagt ein Sprecher. Ob es über M. Verbindungen in die internationale Rechtsradikalenszene gibt, könne er nicht sagen. Laut Augenzeugen besteht kein Zweifel, dass es sich bei M. um den Attentäter vom Semmering handelt. Er wurde von Flüchtlingsbetreuer Norbert Mang identifiziert.

Bei der Hausdurchsuchung wurde Beweismaterial aus der rechten Szene sichergestellt. M., der in Dänemark Chemie studiert hat, soll „verdächtige Pakete“ geliefert bekommen haben, berichtet der Kurier. In diesem Jahr sind die Übergriffe auf Flüchtlinge und Einrichtungen massiv gestiegen, hier finden Sie eine Österreich-Karte mit den dokumentierten Vorfällen.

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