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Faymann will über Tennis reden, aber alle außer ihm hassen Tennis

Meinung / von Wolfgang Rössler / 29.04.2016

Metaphern sind in der Politik oft die letzte Waffe der Bedrängten. Aber sie können auch nach hinten losgehen.

Michael Häupl sitzt daneben, und man merkt den Schmerz. Soeben hat Werner Faymann im gemeinsamen ORF-Interview die SPÖ mit einem Tennisclub verglichen, in dem man sich ja auch kontrovers über Tennis austausche.

Wenn Faymann zu etwas wie Leidenschaft imstande ist, dann gibt sich diese in der Verdrängung zu erkennen. Dazu eignen sich Metaphern gut. In der Politik sind sie häufig die letzte Waffe der Bedrängten. Aber ein Spin kann leicht nach hinten losgehen.

Tennistrainer Faymann hat nicht verstanden, dass keiner in seiner Partei mit ihm über Tennis reden möchte. Einige möchten gerne Fußball spielen, andere Golf oder Schach. Aber Tennis? Alle hassen Tennis, weil ihnen Faymann den Spaß daran vergällt hat. Es gibt – vielleicht mit Ausnahme von Doris Bures und Josef Ostermayer – so gut wie keinen mehr in der SPÖ, der ihn ernsthaft für den richtigen Teamchef hält.

Faymann hat es lange geschafft, die verschiedenen Sportarten gegeneinander auszuspielen. Aber das funktioniert spätestens seit der Präsidentenwahl nicht mehr. Die Hackler an der Basis, der wirtschaftsfreundliche Flügel und die linken Ideologen sind sich einig: Faymann muss weg. Rechte SPÖ-Bürgermeister vom Land teilen die Rücktrittsaufforderungen der linken Sektion 8. Die frühere Siemens-Chefin Brigitte Ederer fordert Faymann auf, den Platz zu räumen, und der kapitalismuskritische VSStÖ applaudiert.

Es wäre interessant zu wissen, was einem gebildeten Menschen wie Häupl mehr wehtut. Faymanns Ausflüchte? Oder seine eigene Ohnmacht, dem roten Trauerspiel ein rasches Ende zu setzen?

Um in der Bildersprache zu bleiben: Der Zug hat den Bahnhof längst verlassen, die Fraktion der deklarierten Faymann-Gegner in der Partei wächst schneller als die FPÖ. Der Tag der Abrechnung wird kommen.

Faymann kann es verzögern. Er kann darauf spekulieren, dass ein blauer Bundespräsident keinen Kanzlerwechsel zulässt. Er kann seinen Abwahl-Parteitag nach hinten verschieben. Aber mit jedem weiteren Tag wird die Verachtung seiner Genossen größer. Wenn er nicht mit Schimpf und Schande vom Platz gejagt werden möchte, sollte er sich bald eine knackige Rückzugsmetapher einfallen lassen.