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Schule und Migration

Gibt es mehr migrantische Schulabbrecher?

von Moritz Moser / 09.12.2015

Ein Nationalratsabgeordneter vermutet steigende Schulabbrecherzahlen bei Migranten. Die Realität sieht allerdings anders aus.

Um fast zehn Prozentpunkte sank der Schul- und Ausbildungsabbrecheranteil bei Migranten in erster GenerationMigranten erster Generation sind selbst im Ausland geboren. Bei Kindern, deren Eltern im Ausland geboren sind, spricht man von Migranten zweiter Generation. zwischen 2008 und 2014. Bei Schülern ohne Migrationshintergrund ging er im selben Zeitraum um nicht ganz drei Prozentpunkte zurück.

Das geht aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage des parteilosen Abgeordneten Rupert Doppler (ehemals FPÖ) hervor. Nach den Zahlen des Bildungsministeriums sind die Abbruchquoten seit Jahren rückläufig.

Immer weniger Ausbildungsabbrüche

Gemessen wird die Anzahl der 18- bis 24-jährigen Jugendlichen, die keinen Schulabschluss der Sekundarstufe II erreicht haben und sich aktuell nicht in Ausbildung befinden. Von Personen mit Migrationshintergrund wurden beide Elternteile im Ausland geboren, wobei Angehörige der ersten Generation selbst im Ausland geboren wurden und Personen der zweiten Generation in Österreich zur Welt gekommen sind. (Angaben des BMBF)

Jugendliche mit Migrationshintergund brechen noch immer zu 16 bzw. 14,7 Prozent ihre Ausbildung ab. Die durchschnittliche Abbruchquote liegt in der EU bei 11,1 Prozent, unter Schülern und Lehrlingen ohne Migrationshintergrund bei sieben Prozent. Auch im Österreichvergleich fällt auf, dass beim letzten verfügbaren Schülerjahrgang 2010/11 die Zahl der Abbrüche in Wien und Vorarlberg, den Bundesländern mit dem größten Migrantenanteil, am höchsten waren.

Allerdings hat Niederösterreich trotz des viertniedrigsten Migrantenanteils die dritthöchste Schulabbrecherquote zu verzeichnen. In der Vergangenheit hatte auch das Burgenland mit einer verhältnismäßig hohen Zahl an Ausbildungsabbrüchen zu kämpfen. Im Jahrgang 2007/2008 brachen 10,2 Prozent der männlichen Schüler im Burgenland ihre Ausbildung ab, in Wien waren es damals nur 8,7 Prozent. Allerdings war in der Hauptstadt in diesem Jahrgang die Abbruchzahl bei den Schülerinnen mit 9,4 Prozent besonders hoch.

Mädchen stärker betroffen

Trotz zwischenzeitlicher Stagnation sinkt die Anzahl der jungen Menschen in Österreich, die ohne Abschluss aus dem Bildungssystem fallen, mit dem EU-Schnitt. Dabei liegt allerdings der Anteil der Mädchen ohne abgeschlossene Ausbildung über dem der Burschen. Eine geschlechterspezifische Unterscheidung der Abbruchquote bei Migranten lassen die bisher erhobenen Zahlen jedoch nicht zu. Das Bildungsministerium will die Zahl der Ausbildungs- und Schulabrüche durch verstärkte Lernbegleitung und Jugendcoachings weiter verringern.

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