APA/HELMUT FOHRINGER

Glosse: Mikl-Leitner und Doskozil

Gulasch und Mon Chéri

Meinung / von Barbara Kaufmann / 21.03.2016

Das Almdudler-Pärchen hat harte Konkurrenz bekommen. Auch Cathy und Richard Lugner sehen plötzlich alt, verbraucht und traurig aus. Denn das neue österreichische Traumpaar heißt Johanna Mikl-Leitner und Hans Peter Doskozil.

Noch ist es frostig am Morgen, der Atem kondensiert, während man zum Auto stapft, die Daunenjacken sind auch noch nicht endgültig eingemottet, aber wie sang schon der große Tom Waits: „You can never hold back spring.“ Der Frühling zieht ins Land.

Die Tage werden länger, die Eisgeschäfte öffnen tapfer ihre Pforten, die Sonne wird stärker und wärmt die Herzen, die einsamen und die vergebenen. Wen wundert es da, wenn selbst die Iron Lady des Landes, Johanna Mikl-Leitner, Einblicke in ihr Gefühlsleben gewährt, die viele nicht für möglich gehalten haben, weil diese innenpolitischen Kulturpessimisten die schiere Existenz derselben– der Gefühle nämlich – bisher zumindest in starke Zweifel gezogen haben. All jene straft die Innenministerin nun in einem Doppelinterview mit Verteidigungsminister Hans Peter Doskoszil, das am Wochenende im Kurier erschienen ist, der frechen und voreiligen Lüge. Love is in the air!

„Es gibt nichts Schöneres, als geliebt zu werden, geliebt um seiner selbst willen oder vielmehr trotz seiner selbst“, wusste der Romancier Victor Hugo, und dementsprechend macht sich Doskozil bald nach Beginn des trauten Zweiergesprächs zur Verteidigung seiner Innenministerin auf. „Hinter der oft harten Fassade der Politikerin steckt ein weicher Kern“, beeilt er sich zu betonen, und wird von Mikl-Leitner sogleich mit Rosen belohnt, die sie ihm ungewöhnlich großzügig ohne zu zögern streut. „Wir sind auf einer Wellenlänge!“

Auch der Spaß kommt nicht zu kurz, während sie gemeinsam Zäune begutachten und Grenzen abschreiten. „Wer hart arbeitet, darf auch einmal lachen!“ Und das tun sie dann auch, die Innenministerin und ihr Kavalier.

„Ich zeige mich kompromissbereit“, scherzt Johanna Mikl-Leitner, „und fliege bei der nächsten Dienstreise mit der Hercules-Transportmaschine des Bundesheeres mit.“ Gemeinsam vereint im Bauch vom Sohn der Götter! Was für ein delikates Aperçu, ein Bonmot der exquisitesten Sorte!

„Wir müssen aus Europa eine Festung machen, und jetzt bauen wir bereits an dieser Festung!“ gibt Mikl-Leitner in der ORF-Pressestunde am Sonntagvormittag zu Protokoll. Und was wäre so eine Festung samt Burgherrin schließlich ohne Minnesänger? Der bekommt zum Lohn für seine Dienste auch einmal eine Bonbonniere überreicht. „Aber es war kein Mon Chéri“, betont Doskozil lachend. Statt Schmetterlingen im Bauch wacht Hercules dröhnend über das neue Liebesglück. Im Gegenzug gab es vom Verteidigungsminister ein Kochbuch für Gulaschgerichte. Jetzt kann er seine Kanonen für etwas anderes als für Gulasch verwenden.