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Michael Häupl

Hallo, er ist’s. Ist er es noch?

Meinung / von Wolfgang Rössler / 17.05.2016

Es ist nicht einfach, Michael Häupl nicht trotzdem zu mögen (wenn Sie das trotzdem irritiert, dann werfen Sie doch einen Blick auf unser Wien-Phänomen). Der Wiener Bürgermeister verkörpert den Typus des Zoon politikon, wie ihn die Österreicher mögen: als alten Fuchs. Häupl umgibt die Aura des leidenschaftlichen Instinktpolitikers, der im Zweifel seinem Bauchgefühl mehr traut als den Ratschlägen der Polit-Gelehrten.

Jörg Haider war aus ähnlichem Holz geschnitzt, auch der Niederösterreicher Erwin Pröll lebt von dieser Erzählung.

Es ist aber eine Erzählung, die sich mit fortschreitendem Alter abnützt. Haider kam der Entzauberung durch seinen Tod zuvor. Pröll zieht sich freiwillig zurück und bereitet die Hofübergabe in St. Pölten vor. Nur Häupl will noch nichts von einem Rückzug wissen, er nimmt seinen langsamen Untergang mit bübischem Grinsen zur Kenntnis.

„Hallo, i bin’s“, sagte der interimistische SPÖ-Chef vergangene Woche, angesprochen auf die führungslos dahintreibende Bundespartei.

Nun ist Christian Kern Bundeskanzler und designierter Parteichef. Bei seiner ersten Pressekonferenz gemeinsam mit Krisenmanager Häupl blieb diesem die Rolle des Präsentators und Stichwortgebers. Häupl konnte weder Werner Faymanns Abgang verzögern noch seinen Wunschkandidaten Gerhard Zeiler installieren. Kerns Rede verfolgte er mit verschränkten Fingern und schaumgebremster Begeisterung. Als sich Kern über die Modalitäten der Machtübernahme – konkreter, das, was die Medien daraus gemacht haben – lustig machte, kam Häupl noch einmal kurz ins Spiel. Mit bübischem Lächeln deutete er ein Schloss vor dem Mund an und warf den Schlüssel symbolisch weg. Häupl hat nichts mehr zu sagen, er hat verloren. Ist er es noch?

Zumindest der Schmäh bleibt der alte. Das macht es nicht einfacher, ihn nicht zu mögen.