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Randnotiz

Infrastruktur- und andere Schleudersitzministerien

von Georg Renner / 15.01.2016

Die SPÖ hat heute die seit langem erwartete Regierungsumbildung beschlossen: Verteidigungsminister Gerald Klug beerbt Infrastrukturminister Alois Stöger, der Präsidentschaftskandidat Rudolf Hundstorfer ins Sozialministerium folgt. Klug selbst wird an der Heeresspitze durch den burgenländischen Polizeikommandanten Hans Peter Doskozil abgelöst.

So weit, so bekannt – was man von dieser Dreierrochade halten kann, lesen Sie bei den Kollegen Zotter und Gottsauner:

→ Neuer Verteidigungsminister: Was Nummer 18 erwartet
→ Faymanns Minister aus der Dose 

Ein Teilaspekt ist allerdings interessant: Einige Ministerien sind offenbar deutlich „wechselfreudiger“ als andere. So hat das Infrastrukturministerium seit Ende der SPÖ-Alleinregierung 1983 inzwischen 13 Minister verschlissen, im Bildungsministerium amtiert die im selben Zeitraum erst achte Amtsinhaberin.

(Anmerkung: Die Grafik zeigt nur jene Ressorts, die seit 1983 durchgängig Bestand hatten – On-off-Ministerien wie jene für Familie oder Wissenschaft sind mangels Vergleichbarkeit nicht erfasst. Interimistische Amtsinhaber wie Wolfgang Schüssel, der im Jänner 2007 nach dem Tod von Liese Prokop zehn Tage lang als Innenminister fungierte, wurden nicht mitgezählt. Orange eingefärbt sind jene Ministerien, die von der aktuellen Regierungsumbildung erfasst sind.)

Am häufigsten gewechselt wurde im Infrastrukturressort, wo nach Karl Lausecker (1977–83) die SPÖ-Politiker Ferdinand Lacina (84–86), Rudolf Streicher (86–92), Viktor Klima (92–97), Rudolf Scholten (96–97) und Caspar Einem (97–2000) amtierten, gefolgt von den FPÖ-Ministern Michael Schmid (2000), Monika Forstinger (2000–02), Mathias Reichhold (02-03) und Hubert Gorbach (03–07). Seit 2007 ist dort wieder die SPÖ im Amt, mit Werner Faymann (07–08), Doris Bures (08–14), Alois Stöger (14–16) und demnächst nun Gerald Klug.

Dass ein beständiger besetztes Amt größeres Reformpotenzial bedeutet, lässt sich am Beispiel des Unterrichtsministeriums belegen, wo auf Helmut Zilk (SPÖ 1983–84) nur Herbert Moritz (84–87), Hilde Hawlicek (87–90), Rudolf Scholten (90–94), Erhard Busek (ÖVP, 94–95), die Langzeitministerin Elisabeth Gehrer (95–2007), Claudia Schmied (SPÖ, 07–13) und Gabriele Heinisch-Hosek (ab 13) folgten.