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Randnotiz

Lesen ist schwer, auch für Politiker

von Lukas Sustala / 01.04.2016

Vier von zehn Volksschülern können nicht sinnerfassend lesen, ist das traurige Ergebnis einer gerade vorgestellten Untersuchung. Immerhin 75.000 Kinder der vierten Klassen Volksschule haben an der „Standardüberprüfung“ teilgenommen, bei der es – wie der Name schon sagt – um gewisse Mindeststandards geht.

Dieses Armutszeugnis ist aber weniger schlimm, wenn man selbst des Lesens nicht mächtig ist. Und was die Forscher des Bundesinstituts für Bildungsforschung und die Bildungsministerin zu dem Ergebnis sagen, verstärkt diesen Eindruck. „Das Ergebnis zeigt, dass das österreichische öffentliche Bildungswesen sehr gut funktioniert“, sagt etwa Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek laut derstandard.at. „Das ist weniger besorgniserregend, als es auf den ersten Blick erscheint“, fügt man beim BIFIE hinzu.

In einer Welt, in der China gerade versucht, in großen Sprüngen die Wertschöpfungskette nach oben zu klettern und dabei – natürlich – auf Bildung setzt und Online-Lernportale dazu führen, dass sekundäre und tertiäre Bildung revolutioniert wird, mutet das Kleinreden von Leseschwächen wie die schlimmste Form von Ignoranz an. Vor allem, da es genau dieselbe SPÖ ist, die die wachsende ökonomische Ungleichheit mit Steuern bekämpfen will, die große Bildungsungleichheit aber offenbar zeigt, dass das System „gut funktioniert“.

Aber vielleicht passt das auch nur zu einer Regierung, die selbst auch kein Musterschüler sein möchte, wie der Bundeskanzler in der Debatte um das Budgetdefizit und die unangenehmen EU-Vorgaben gemeint hat. Angeblich sind die Kinder, Schülerinnen und Schüler, bloß die Zukunft. Wer braucht die schon angesichts unserer glorreichen Vergangenheit?


 

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