Lilly Panholzer

Netzwerk Österreich

Liesing-Connection: Es bleibt in der Familie

von Moritz Gottsauner / 07.01.2016

Ex-Mitarbeiter der Kabinette von Werner Faymann und Doris Bures machen auffallend oft Karriere im Ressort des jeweils anderen. Und manchmal auch in staatsnahen Unternehmen. 

Datenbank: Moritz Moser, Gerald Gartner
Grafik: Fabian Lang

Ministerkabinette sind eine eigenartige Sache. Nirgendwo ist festgelegt, dass es sie geben muss. Und trotzdem zieht jeder Minister mit einem Tross an Beratern in sein Ressort ein. Ihre Zahl hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig erhöht. Sie sind oft Experten bei Themen, für die es unter den Beamten ohnehin schon Experten gäbe. Mit dem Unterschied, dass sie das Vertrauen der Minister genießen. Die Kabinette sind die politische Spitze der Pyramide. Als solche genießen sie mitunter beträchtlichen Einfluss. → Die Macht der Kabinette

Auch Ministerkabinette sind in unserer neuen Datenbank Netzwerk Österreich erfasst, samt der Karriereschritte ihrer Mitarbeiter. So lässt sich zum Beispiel einfacher nachvollziehen, wenn Mitarbeiter zwischen Ministern und Ressorts derselben Partei hin und her wechseln. Und nicht selten finden sie neue Arbeitgeber im staatsnahen Bereich.

Hinweis: Mit ♦ markierte Links verweisen bei Personen, Firmen, Behörden und Vereinen auf den zugehörigen Eintrag in der Datenbank.

Ein Beispiel dafür ist der rege Personalaustausch zwischen den Kabinetten von ♦ Werner Faymann und der damaligen Verkehrministerin ♦ Doris Bures. In der Regel bringt jeder Minister, jede Ministerin die eigenen Leute ins Amt mit. Umso mehr zeugt es von Vertrauen, wenn eine Ministerin gleich vier Personen von ihrem Vorgänger übernimmt. So hat es Bures im Jahr 2008 gehalten, als sie von Faymann das Verkehrsministerium übernahm. Sie und Faymann bilden eine alte wie starke Achse im Netzwerk rund um den Bundeskanzler. Dessen Mitglieder stehen heute nicht nur an der Spitze der Regierung und des Nationalrats, sondern auch der ♦ bedeutendsten ♦ Boulevardmedien des Landes.

Personelle Verflechtungen

Von dieser Beziehung zeugen auch die personellen Verflechtungen. ♦ Susanne Schnopfhagen-Metzger zum Beispiel ist seit 2014 die Kabinettchefin von Werner Faymann im Bundeskanzleramt. Davor war sie freilich schon Vizechefin des Kabinetts und Vertraute von Doris Bures im Verkehrsministerium. Ihre Vita passt auch sonst recht gut zu ihren Chefs. Unter anderem war sie Präsidentin der Niederösterreichischen Mietervereinigung. Im SPÖ-nahen ♦ Wiener Pendant dazu sind Werner Faymann und Doris Bures einst groß geworden.

Oder ♦ Susanna Enk. Die aktuelle Kommunikationschefin Faymanns machte den Job vorher jahrelang für Bures. Als 2012 ein Jobwechsel zu Magna-Steyr platzte, machte sie Bures zur Co-Geschäftsführerin der bundeseigenen Technologieagentur AustriaTech, eine Art Parkplatz für ehemalige Kabinettsmitglieder im Verkehrministerium. Jedenfalls wechselte Enk nach etwas mehr einem halben Jahr bereits zu Werner Faymann. Dorthin folgte ihr 2014 mit ♦ Kerstin Hosa eine weitere alte Bekannte aus dem Bures-Kabinett nach.

Hosa arbeitet mittlerweile im Ministerkabinett von ♦ Josef Ostermayer. Sie hat damit alle Stationen im Dreiergespann Faymann-Bures-Ostermayer durchgemacht. Die aktuelle Pressesprecherin von Josef Ostermayer, Angelika Feigl, hat eine ähnliche Karriere hinter sich. Sie wechselte 2008 mit Werner Faymann vom Verkehrsministerium ins Bundeskanzleramt. Nur die Station Doris Bures hat sie ausgelassen. Ebenso ♦ Gerhard Schmid, der schon in Werner Faymanns Kabinett im Verkehrsministerium diente. Vergangenes Jahr setzte ihn Faymann schließlich an die Spitze der SPÖ-Bundesgeschäftsführung.

Werner Faymann ist bekannt dafür, bevorzugt auf den Mitarbeiterpool seiner Vertrauten zurückzugreifen. Doris Bures kennt er aus der Schulzeit, gemeinsam traten sie vom Wiener Bezirk Liesing aus den Marsch durch die Institutionen in der Wiener SPÖ an. Aber ein Kabinettsposten dient nicht nur als Sprungbrett für höhere Aufgaben in anderen Ressorts. Einige Ex-Mitarbeiter von Faymann und Bures haben in staatlichen oder staatsnahen Unternehmen neue Jobs gefunden.

Karrieresprungbrett Kabinett

Im Jahr 2008 hat Bures mit dem Verkehrsressort auch gleich vier Kabinettsmitarbeiter von ihrem Vorgänger übernommen. Von ihnen arbeiten drei mittlerweile im staatsnahen Bereich. ♦ Claudia Cernohuby, bei Bures zuständig für Wasser, Post, Parlament und Umwelt, ist zum Beispiel seit 2011 Gruppenleiterin des Wiener stadteigenen Unternehmens Wien Energie. ♦ Maria-Theresia Röhsler betreute unter anderem die Agenden EU und Internationales. Jetzt arbeitet sie für die staatliche Regulierungsbehörde für den Schienenverkehr ♦ Schienen Control. Ihren Ex-Kollegen ♦ Franz Hammerschmid hat es ebenfalls in den Infrastrukturbereich verschlagen, als Pressesprecher der ÖBB Infrastruktur AG. Ein ähnlicher Jobwechsel hat einst Werner Faymann in die Bredouille gebracht. 2007 wechselte seine stellvertretende Kabinettschefin Klaudia Niedermühlbichler ins Kommunikationsbüro der Asfinag. Just in jenem Zeitraum also, der später in der ♦ Inseratenaffäre relevant werden sollte.

AustriaTech: Job-Reservoir

Eine der beliebten Destinationen für Ex-Kabinettsmitglieder im Verkehrsministerium ist das Unternehmen AustriaTech. Die Firma hat laut Eigendefinition die Aufgabe, den „technologischen Entwicklungsprozess des nationalen Mobilitätssystems zu forcieren“. Es befindet sich zu 100 Prozent im Besitz der Republik Österreich. Laut Rechnungshofbericht lag das Durchschnittseinkommen eines AustriaTech-Vorstands 2014 bei 138.000 Euro. Während Postenvergaben in größeren staatsnahen Unternehmen unter medialem Getöse über die Bühne gehen, passieren sie bei den kleineren wie bei AustriaTech oft ohne viel Aufhebens.

Der Geschäftsführer der AustriaTech ist derzeit Martin Russ. Er arbeitete vor seinem Wechsel im Jahr 2011 im Kabinett von Doris Bures. Den Geschäftsführer-Job teilte er sich einige Zeit ausgerechnet mit Roland Dietrich, dem Ex-Kabinettschef von Hubert Gorbach. Gorbach hatte Dietrich den Posten noch rasch an seinem allerletzten Arbeitstag als Minister im Jahr 2007 verschafft. Nach Dietrichs Abgang im Jahr 2012 leitete Russ das Unternehmen einige Monate lang alleine – bis für Susanna Enks kurzes Intermezzo erneut ein zweiter Geschäftsführer-Posten geschaffen wurde.

Politische Aufsichtsräte

Auch die Faymann/Bures-Mitarbeiterin Maria-Theresia Röhsler gab ein Gastspiel bei AustriaTech. Von 2009 bis 2012 war sie Mitglied des Aufsichtrats, wohl als politische Vertreterin der Ministerin. Ihm gehören neben den Arbeitnehmervertretern üblicherweise Sektionschefs oder andere Beamte des Ministeriums an. Aus dem Kabinett von ♦ Alois Stöger ist derzeit kein Mitglied im Aufsichtsrat vertreten. Noch nicht, zumindest.

Die personelle Osmose zwischen Kabinett und AustriaTech hat also Tradition. Zu Gorbachs Zeiten landeten noch zwei weitere Kabinettsmitglieder als Aufsichtsräte bei AustriaTech. Eine langjährige Kabinettsmitarbeiterin im Verkehrsministerium bildet die Ausnahme der Regel. ♦ Sabine Kühschelm, zuständig für Straßen und Nahverkehr, arbeitete schon im Kabinett von Hubert Gorbach und gehört jetzt jenem von Alois Stöger an, hat also bereits drei Verkehrsminister überdauert.