Literaturempfehlungen zur österreichischen Außenpolitik

von Moritz Moser / 10.02.2015

Das Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres stellt Aufnahmeinteressierten eine Leseliste zur Verfügung. Literatur zur österreichischen Diplomatie ist jedoch relativ dünn gesät. Hier einige Empfehlungen:

Im Auftrag Österreichs.

Der inzwischen verstorbene ehemalige Generalsekretär im Außenministerium Gerald Hinteregger liefert in seinem 2008 erschienenen Buch einen interessanten Bericht über seine Karriere. Hinteregger war nicht nur Botschafter in Madrid in der Zeit der Transición, sondern leitete auch die österreichische Mission in Moskau während der Ära Breschnew und war unter anderem auch Botschaftssekretär in Washington. Lesenswert, wenn Sie wissen wollen, welche Rolle Treffen in der österreichischen Botschaft beim Übergang Spaniens zur Demokratie spielten, wie ein Mittagessen die UNO nach Wien holte und wieso die russische Haushälterin in Moskau das Ehebett der Hintereggers zerlegte. Ein gleichermaßen unterhaltsames wie aufschlussreiches Buch über eine Zeit, in der es noch eine eigenständige österreichische Außenpolitik gab.

Gerald Hinteregger: Im Auftrag Österreichs. Gelebte Außenpolitik von Kreisky bis Mock. Amalthea Verlag 2008.

Das kleine ABC des Staatsbesuches. Eine eher kurzweilige Einführung des in der Wolle gefärbten Bildungsbürgers und Mitarbeiters der Präsidentschaftskanzlei Meinhard Rauchensteiner über die Natur des Staatsbesuches. Ein humorvolles Kompendium auch für all jene, die kein Altgriechisch sprechen. Wer schon immer wissen wollte, warum bei HinausbesuchenBei Hinausbesuchen reist der Bundespräsident ins Ausland. Bei Hereinbesuchen kommt ein ausländischer Staatsgast nach Österreich. immer eine Notfallkranzbinde mitgenommen wird und wo der dekorative Lorbeer bei Empfängen herkommt, kommt voll auf seine Kosten. Kleiner Abstrich: Rauchensteiners Annahme, es gäbe in Österreich keine staatlichen OrdenVon Orden zu unterscheiden sind die umgangssprachlich ebenso bezeichneten Verdienstzeichen des Bundes. Ein Orden ist eine auf die Tradition der Ritterorden zurückgehende Organisation deren Abzeichen nur die Zugehörigkeit verdeutlicht, während Verdienstzeichen reine Auszeichnungen darstellen. mehr, ist nur halb richtig: Montfort- und Adlerorden bilden hier zwei Ausnahmen.

Meinhard Rauchensteiner: Das kleine ABC des Staatsbesuches. Nebst nützlichen Anweisungen für das Überleben im Staatsdienst. Czernin Verlag 2011.

Die Iwakura-Mission. Während der Meiji-Restauration schickte der japanische Kaiser von 1871 bis 1873 eine diplomatische Mission nach Österreich, Deutschland und in die Schweiz. Ihr Ziel war es, die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation in diesen Ländern zu erforschen, um daraus Schlüsse für die Weiterentwicklung Japans ziehen zu können. Kume Kunitake, einer der Teilnehmer der Mission, lieferte einen detaillierten, wenn auch streckenweise etwas nüchternen Bericht ab. Erinnerungen an Joseph Roths Radetzkymarsch kommen auf, wenn Kunitake beispielsweise die Frage stellt, ob sich der Zweck der k.u.k. Armee nicht schon in ihrer Schönheit erschöpfte. Ein faszinierender Blick von außen auf die österreichische Gesellschaft und Diplomatie der Zeit.

Kume Kunitake: Die Iwakura-Mission. Iudicium Verlag 2002.