Männlich, unter 35, sucht Beteiligung an politischer Debatte

von Moritz Gottsauner-Wolf / 19.12.2014

Gestern ging die erste Sitzung der parlamentarischen Enquete-Kommission „Stärkung der Demokratie“ über die Bühne – mit einer beachtenswerten Neuerung.

Erstmals seit der Einführung des Formats im Jahr 1988 dürfen, passend zum Thema, auch normale Bürger daran teilnehmen. Sie sollen am Rednerpult ihre Meinung und Ideen zur Lage und zum Ausbau der Demokratie in Österreich kundtun, zwecks Inspiration der Abgeordneten. Daran sind aber, allem Anschein nach, hauptsächlich Männer interessiert.

1.202 Personen haben sich im September für diese Aufgabe beworben. Nur acht davon, jedes Mal dieselben, werden an den kommenden Sitzungen teilnehmen. Sie wurden im Beisein eines Notars per Los ausgewählt, heißt es aus der Parlamentsdirektion. Dabei wurde ein Proporzsystem herangezogen: Jeweils vier Frauen und vier Männer sollten dabei sein. Davon jeweils zwei über und zwei unter 35 Jahren. Inhaltliche Kriterien wurden im Vorfeld nicht abgefragt.

Die meisten Bewerber kamen aus den östlichen Bundesländern, was wohl zum größten Teil an der räumlichen Nähe liegt.

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Relativ eindeutig ist allerdings die Geschlechterverteilung. An der Enquete zur „Stärkung der Demokratie“ wollten vor allem Männer teilnehmen. Sie machten rund drei Viertel der Bewerbungen aus. Die Frauen kommen nicht einmal auf ein Viertel.

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Abgefragt wurde auch die grobe Altersstruktur der Bewerber, detaillierte Daten dazu wurden allerdings nicht erhoben.

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Auf den ersten Blick scheinen die über 35-Jährigen zu dominieren. Im Vergleich zur österreichischen Bevölkerung ist ihr Anteil jedoch nicht höher, im Gegenteil. Laut Registerzählung 2011 ist etwas weniger als ein Drittel der wahlberechtigten Männer in Österreich zwischen 16 und 34 Jahre alt. Der Anteil dieser Gruppe unter den Enquete-Bewerbern macht aber ganze 37 Prozent aus. Die jungen Männer sind in Relation also etwas stärker vertreten als die Älteren. Bei den Frauen sieht es wieder anders aus: Nur rund 27 Prozent sind unter 35, in etwa so viel wie der Anteil in der Bevölkerung.