Minister und Geschäftsführer – Karrieren nach dem Kabinett

von Moritz Moser / 27.01.2015

Die Aufgabe der Kabinettsmitarbeiter ist der sogenannte „Dienst um den Minister“. Sie stehen zu dessen persönlicher Verfügung. Das bedeutet auch, dass sie in den meisten Fällen mit ihm das Ministerium verlassen. Daraus ergibt sich für die Politik ein Problem: Die ehemaligen Mitarbeiter wollen versorgt werden.

Der Dienst im Kabinett eines Ministers beinhaltet vielversprechende Zukunftssausichten. Doch diese gelten bei weitem nicht mehr für alle. Durch das stetige Wachstum der Ministerbüros und die wiederholte Kritik an Besetzungen ist es für die Politik schwerer geworden, ausscheidende Mitarbeiter mit entsprechenden Positionen zu versorgen. Längst ist die Mitarbeit in einem Kabinett nicht mehr für alle favorabel, bringt sie doch auch den Makel mit sich, einen Parteistempel im Lebenslauf zu tragen, der spätere Karriereschritte auch behindern könnte.

Nicht jeder, der Mitglied eines Kabinetts war, verdankt seinen weiteren Berufsweg allein dieser Tatsache. Fachlich anerkannte Persönlichkeiten, wie die Verfassungsrichter Johannes Schnizer und Georg Lienbacher, haben ihre Karriere in Ministerbüros begonnen. Dennoch sind viele nach ihrer Kabinettszeit atypisch schnell erfolgreich. Für die Weiterentwicklung der jeweiligen beruflichen Laufbahn eröffnen sich mehrere Lösungswege, nicht alle sind frei von politischer Beeinflussung.

Die staatliche Lösung. Eine Möglichkeit ist die Aufnahme in den öffentlichen Dienst oder die Beförderung in höhere Posten, wenn die Betroffenen schon vor ihrer Kabinettskarriere Verwaltungsbedienstete waren. Angelika Flatz beispielsweise, nun Sektionschefin im Bundeskanzleramt, war zunächst Mitarbeiterin von Barbara Prammer, als diese Bundesministerin für Frauen und Verbraucherschutz war. Danach arbeitete sie ab 2002 als stellvertretende Abteilungsleiterin im Finanzministerium, bevor sie 2004 Bürochefin der damaligen Zweiten Nationalratspräsidentin Prammer wurde.

Vier Jahre später wechselte sie als Kabinettschefin ins Ministerium von Gabriele Heinisch-Hosek, nur um schon ein Jahr später den Sektionsleiterposten für öffentlichen Dienst und Verwaltungsinnovation im BKA anzutreten. Nebenbei ist sie Aufsirchtsratsmitglied der Wiener Netze GmbH, einem Unternehmen der Stadt Wien. Auch die Nachfolgerin von Flatz als Kabinettschefin bei Heinisch-Hosek, Ines Stilling, ist mittlerweile Sektionschefin. Sie ist im Bundesministerium für Bildung und Frauen für die Frauenagenden verantwortlich.

Politische Lösung. Einige Kabinettsmitarbeiter verfolgen eine Karriere in der Politik. Das gestaltet sich aber insbesondere dann schwierig, wenn die eigene Partei aus der Regierung fällt und die politischen Funktionen in der Folge abnehmen. Gleichzeitig sind die Mitarbeiter eines Ministers an dessen politische Macht gebunden. Geht er und wird sein Kabinett mit ihm abgelöst, verlieren dessen Mitglieder auch ihren wichtigsten Fürsprecher in der Partei.

Beate Palfrader, von 2000 bis 2001 im Kabinett von Innenminister Ernst Strasser, verfügte aber über genügend politischen Rückhalt in ihrem Heimatbundesland Tirol, um dort 2008 Bildungslandesrätin zu werden. Stephan Pernkopf, Landesrat in der Regierung Erwin Prölls, war zuvor Kabinettschef von Minister Josef Pröll. Andererseits kann ein Aufstieg des Ministers auch einen Karrieresprung seiner Mitarbeiter auslösen, was das Beispiel des nunmehrigen Kanzleramtsministers Josef OstermayerOstermayer lernte Faymann bei der Wiener Mietervereinigung kennen und folgte ihm als Mitarbeiter, als dieser Stadtrat in Wien wurde. Danach war er dessen Kabinettschef im Verkehrsressort und anschließend Staatssekretär sowie Bundesminister im Bundeskanzleramt. zeigt.

Die staatsnahe Lösung. Andere ehemalige Kabinettsmitarbeiter erhalten Jobs in der staatsnahen Wirtschaft. So wurde im Februar 2012 angekündigt, dass die damalige Sprecherin von Verkehrsministerin Doris Bures, Susanna Enk, als Mitarbeiterin von Günther Apfalter zu Magna-Steyr wechseln würde, was aber nicht geschah. Daraufhin trat Enk eine neu geschaffene Geschäftsführerstelle bei der staatlichen Technologiegesellschaft AustriaTech an. Seit 2014 arbeitet sie im Kabinett des Bundeskanzlers.

Die privatwirtschaftliche Lösung. Ehemalige Kabinettsmitarbeiter weisen auch erfolgreiche Karrieren in der Privatwirtschaft auf, auch wenn diese die Ausnahme bilden. Karl Sevelda war von 1983 bis 1985 Norbert Stegers Kabinettschef, wechselte dann zur Creditanstalt und schließlich zu Raiffeisen International, wo er heute Vorstandsvorsitzender ist. Andreas Brandstetter, der ehemalige Kabinettschef von Erhard Busek, ist heute Chef des Vorstandes im Versicherungsunternehmen Uniqa. Problematisch wird das Engagement bei privaten Firmen dann, wenn sie Geschäfte mit der öffentlichen Hand tätigen. Christoph Ulmer war zunächst als Ernst Strassers Kabinettschef im Innenministerium mit der Vergabe des Behördenfunks Tetron befasst, später soll er als Berater bei eben jenem Konsortium, das den Zuschlag erhalten hatte, gearbeitet haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen ihn wegen des Verdachts der Geldwäsche und Beihilfe zur Untreue.