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Analyse

Mit sechs Grafiken das Heer anschauen

von Christoph Zotter / 24.10.2015

Alle Jahre wieder zeigt das Bundesheer, was es kann. Wir haben ein paar Zahlen zur österreichischen Armee zusammengetragen.

Rotorblätter schneiden durch die Luft. Goldgelbe Laubblätter wirbeln über den Heldenplatz. Sie kommen: S-70 Black Hawk, Agusta Bell, der Aloutte III. Einer nach dem anderen schwingt über die Wiener Innenstadt, senkt sich auf die Wiese vor der Hofburg hinab.

Die Hubschrauber fliegen zur Nationalfeiertags-Show des Bundesheeres an. Auf durchgetretenen Wiesen stehen ein Wochenende lang teure Kampfflieger, Kinder klettern durch Panzerluken, es gibt Zuckerwatte. Dabei ist für die Armee nicht alles rosig. Sie verkauft seit Jahren ihre Kasernen, trennt sich von alten Traditionen. Wir haben vor dem Nationalfeiertag sechs Grafiken zusammengestellt, die das triste Dasein des Heeres veranschaulichen.

1. Das Budget

Das Verteidigungsministerium zählt nicht gerade zu den üppig ausgestatteten Ressorts. Insgesamt 2,2 Milliarden Euro bekam es für das Jahr 2016 zugesprochen. Damit ist es das fünfte Ressort von unten, nur Justiz, Gesundheit, das Kanzleramt und die Außenpolitik kriegen weniger.

Österreich ist hier nicht alleine, in ganz Westeuropa sanken nach dem Zweiten Weltkrieg die Etats für Waffen, Soldaten und Kasernen. Das Geld wurde lieber in Sozialsysteme oder Bildung gesteckt. Das österreichische Heer bekommt aber selbst im Vergleich noch recht wenig.

Dabei müsste es theoretisch besonders viel investieren. Österreich ist neutral, darf sich nicht in ein Militärbündnis begeben, muss mit eigenen Mitteln und teurem Gerät seine Grenzen verteidigen, so die Theorie. In der Praxis gibt das Land weniger aus als drei von vier anderen neutralen oder bündnisfreien Nationen des Kontinents (auch wenn sich die Abstände teils dramatisch verringert haben, in der Grafik der Anteil der Militärbudgets an den Staatsausgaben in Prozent).

2. Die Mannschaft

Am meisten kostet wie so oft das Personal. Das Verteidigungsministerium gibt verlässlich mehr als die Hälfte seines Budgets für seine derzeit rund 22.000 Mitarbeiter aus. Etwa 19.000 von ihnen dienen direkt in den Streitkräften.

Die Gesamtzahl ist in den vergangenen Jahrzehnten gesunken, sie lag zu Beginn des Jahrtausends noch bei über 30.000. Trotzdem stiegen die Personalkosten, während das Heer immer weniger investierte. Auch Wartung und Betrieb wurden zumindest nach eigener Statistik billiger oder stagnierten. Wird hier weiter gespart, warnen Offiziere, wird bald gar nichts mehr laufen.


Ob das Heer zu viele Mitarbeiter auf seiner Gehaltsliste hat, ist also eine berechtigte Frage. Der Rechnungshof kritisiert in einem Bericht aus dem Jahr 2012, dass das Verhältnis zwischen Truppen und Versorgern zu stark auf die Seite der Versorger kippte (es war damals 1:1,4). Idealerweise solle es 1:1 sein, vor zehn Jahren lag es allerdings bei hohen 1:1,7. In Randbereichen hat Verteidigungsminister Gerald Klug nun gestrichen: Das betrifft zum Beispiel einige Militärmusikkapellen oder die traditionsreiche Kavallerie der Militärakademie in Wiener Neustadt.

3. Die Eurofighter

Auch weil moderne Soldaten moderne Waffen wollen, kaufte Österreich 15 Eurofighter. Sie waren der Einkauf des vergangenen Jahrzehnts – und sie hatten einen hohen Preis. Im Jahr 2007 begann das Verteidigungsministerium, die ersten Raten für die höchst umstrittene und von vielen Korruptionsvorwürfen begleitete Anschaffung zu bezahlen. Die Rüstungsausgaben schnellten in die Höhe.

 

In seinen alle zwei Jahre erscheinenden Weißbüchern, listet das Heer seine wichtigsten Rüstungskäufe auf (das bislang letzte erschien 2012, das Buch für 2014 wird in den nächsten Wochen publiziert). Die Eurofighter kosteten nicht nur mehr als alle anderen Geräte zusammen, sie waren auch teurer als alle Gebäuderenovierungen, Umbauten und Neubauten innerhalb dieser sechs Jahre.

Ob es eine Alternative zu den teuren Jets gab, wurde heftig diskutiert. Fest steht, dass die Politik entschied, den österreichischen Luftraum mit einem der teuersten Geräte zu bewachen, das sie kaufen konnte. Seit vergangenem Herbst sind sie abbezahlt, was aber nicht heißt, dass es jetzt mehr Geld zu verteilen gibt. Im Gegenteil, das dem Heer zugeteilte Budget sank dieses Jahr um rund 200 Millionen Euro, also ungefähr um den Betrag der jährlichen Eurofighter-Rate.

4. Der Abverkauf

Für 2016 soll es wieder mehr Geld geben, was auch damit zu tun hat, dass Gerald Klug den Wehrdienst reformieren will (das Ganze heißt Bundesheerreform 2018). Selber Geld einnehmen kann das Bundesheer dabei kaum. Am ehesten geht das noch, wenn es Häuser, Grundstücke oder Waffen verkauft (die Grafik unten orientiert sich in ihren Dimensionen an den Summen, die das Heer im selben Zeitraum für Rüstungsbeschaffungen ausgegeben hat).

Die Effekte sind also vergleichsweise bescheiden. Um die 60 Millionen Euro brachten die Kasernenverkäufe in ihren besten Jahren, von 2004 bis 2012 will das Verteidigungsministerium rund 229 Millionen Euro durch Immobilienverkäufe eingenommen haben. Das ist ein paar Millionen mehr als die durchschnittliche Jahresrate für die Eurofighter.