APA/HERBERT NEUBAUER

Randnotiz

Pfefferspray für das Volk

Meinung / von Christoph Zotter / 07.03.2016

Robert Lugar macht sich mit seiner missglückten Pfeffersprayverschenkung lächerlich. Eine Politposse, in der eine kleine Weisheit steckt.

Als Robert Lugar auf die Ringstraße trat, wusste er noch nicht, dass es ein schlechter Tag werden würde. Im Gesicht trug der Klubobmann des Team Stronachs ein Lächeln, unter dem Arm einen Korb voll Pfefferspray-Dosen. Die wollte er verschenken. So kommt man in die Zeitung in Zeiten wie diesen.

Denn manche Menschen haben Angst – vor den Flüchtlingen, den Migranten, den Ausländern, den Frauenverzahrern. „Asylanten“ und „Kanaken“ nennt sie einer der rund 200 Menschen, die sich versammelt haben, um einen Pfefferspray abzustauben. Sie warten im Regen auf eine der kleinen Dosen, Modell Blue Face, die sie bequem von zu Hause um zwölf Euro im Internet hätten kaufen können.

Man kann sich nun fragen, was in einem Land los ist, in dem sich ein Parlamentarier auf die Straße stellt, um etwas zu verschenken, das dem Gesetz nach als „freie Waffe“ klassifiziert wird (die selbe Kategorie wie Schleudern, Sportbögen oder Luftdruckgewehre). Es ließe sich spekulieren, ob Robert Lugar seine Sprays in dem Chaos einem Unter-18-Jährigen in die Hand gedrückt hat (das zöge eine Verwaltungsstrafe nach sich). Man könnte rätseln, ob die Menschen, die über „Asylanten“ und „Kanaken“ schimpfen, auch wissen, dass sie Pfefferspray nur zur Notwehr einsetzen dürfen (alles andere ist schwere Körperverletzung).

Es ist kein Spielzeug oder Gimmick, das das Team Stronach da verteilt. In Dänemark sind die Dinger sogar verboten. In Schweden gibt es sie nur mit Waffenschein, sogar in manchen Bundesstaaten der waffenvernarrten USA lässt sich das Modell Blue Face nicht einfach so im Internet ordern. In Deutschland wiederum muss auf der Packung stehen, dass das Reizgas nur verkauft wird, um damit Tiere abzuwehren. Die Dose für Bären kommt in Flaschengröße. Laut Chemiewaffenkonvention darf Pfefferspray nicht gegen fremde Soldaten eingesetzt werden – nur gegen die Menschen im eigenen Land.

An all das musste Robert Lugar nicht denken, als er sich mit einem Korb voll „freier Waffen“ unter dem Arm vor das Herz der Republik stellte. In Österreich sind die Dosen seit zwanzig Jahren erlaubt. Wer will, kann Pfefferspray ans Volk verteilen und Robert Lugar wollte. Er wollte provozieren, Law-and-Order symbolisieren.

So weit, so Team Stronach. Doch Robert Lugar machte einen Fehler. Er hatte nicht genug Pfeffersprays mit. Das Volk zeigte ihm schnell, was mit einem passiert, dem vor laufenden Kameras das Opium ausgeht (das sich an diesem Montag in Form einer Pfefferspray-Dose manifestiert hatte): Es schimpfte ihn wütend davon.

So steckte in dieser Politposse am Ende eine kleine Weisheit: Wer Geschenke verspricht, löst meist keine Probleme. Auch wenn manche Menschen das scheinbar erst begreifen, wenn für sie kein 12-Euro-Pfefferspraydoserl mehr übrig ist.