Religionslehrer in der Kritik

von Moritz Moser / 09.04.2015

Eine parlamentarische Anfrage der Grünen nach einem Zwischenfall im islamischen Religionsunterricht an einer Grazer Schule ergab: Die meisten Beschwerden gibt es über katholische Pädagogen. Spitzenreiter unter den Ländern ist Oberösterreich.

Ein Grazer Islamlehrer soll gegenüber Schülern gesagt haben, es sei in Ordnung jemandem wehzutun, der Gott beleidige. Die Jugendlichen wandten sich daraufhin an die Schule, der Lehrer wurde suspendiert. Die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Grünen zeigt nun erstmals die Zahl der Beschwerden gegen Religionspädagogen.

Religionsunterricht in der Kritik

Insgesamt gingen bei den Landesschulräten zwischen 2010 und 2015 82 Beschwerden gegen Religionslehrer ein, wobei 38 auf katholische, 33 auf islamische, neun auf griechisch-orientalische bzw. orthodoxe und zwei auf evangelische Pädagogen entfielen. Die Anzahl der Beschwerden über islamische Religionslehrer fällt damit, im Verhältnis zur Zahl der Angehörigen der Religionsgemeinschaft, relativ hoch aus. Die meisten Klagen betrafen naturgemäß die Pflichtschulen, zu denen 4.576 der 6.015 österreichischen Schulen zählen.

Zum  Tenor  der  Beschwerden sei laut zuständigem Bundesministerium für Bildung und Frauen zu bemerken, dass sich diese „auf verschiedene Themengebiete bezogen haben und unterschiedliche Aspekte ansprechen wie z.B. religiöse Inhalte, methodische Aspekte oder das Verhalten der Lehrkräfte“. Eine inhaltliche Kontrolle des Unterrichts sei aufgrund der Religionsfreiheit nicht gestattet. Dem Landesschulrat sei ein Eingreifen nur bei dienstrechtlichen Vorfällen möglich.

Beim Religionsunterricht handelt es sich um eine innere Angelegenheit der Kirche oder Religionsgesellschaft.

Die Grünen kritisieren außerdem, dass Lehrmittel für den Religionsunterricht nicht der Schulbuchapprobation unterliegen. Das Ministerium verweist auch in diesem Fall auf die im Staatsgrundgesetz von 1867 garantierte Religionsfreiheit.

Spitzenreiter Oberösterreich

Unter den Bundesländern führt Oberösterreich mit insgesamt 43 Beschwerden, gefolgt von Niederösterreich mit 15 und Vorarlberg mit zwölf.

Zu Ermittlungen gegen Religionslehrer kam es im Zeitraum 2010 bis 2015 zwei Mal, wobei das Strafverfahren einmal eingestellt wurde. Die zweite Lehrperson kündigte ihr Dienstverhältnis vor dem Ende des Verfahrens. Beide Male waren katholische AHS-Pädagogen aus Niederösterreich betroffen. Zu den genauen Anschuldigungen wollte das BMBF nicht Stellung nehmen.

Der Grazer Islamlehrer unterrichtet mittlerweile wieder an seiner Schule. Er habe, so die Behörde, wenn überhaupt, die Äußerungen vor zu wenigen Schülern getätigt, um strafrechtlich belangt zu werden.