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Kurz-Manie

Sebastian Trump und Donald Kurz: Geht’s noch?

Meinung / von Michael Fleischhacker / 11.12.2015

Wie es scheint, ist Österreich mit der Kindergartendebatte, die es seit einer Woche führt, bei sich selbst angekommen. Das jahrelange Nebeneinander von linker Beschwichtigungsprosa und rechter Kulturkampfrhetorik überfordert die medialen Vermittlungsinstanzen inzwischen so sehr, dass sie mit intellektueller Selbstverzwergung reagieren.

Dass man sich neben der inhaltlichen Frage, wie groß und umfassend der Integrationsdruck sein soll und darf, den die Politik angesichts der allgemeinen Beunruhigung über das Thema Zuwanderung auf Migranten aus islamischen Ländern ausübt, auch mit den handelnden Personen und ihren Motiven beschäftigt, gehört zum politischen Geschäft und zum medialen Alltag.

Aber die Art der Beschäftigung mit dem österreichischen Außen- und Integrationsminister nimmt – Sie irren nicht, wenn Sie in dieser Aussage auch ein gewisses Maß an Selbstkritik orten – langsam absurde Züge an.  

Der Wettlauf um die originellste Charakterisierung des begabten Herrn Kurz muss so anstrengend sein, das einige Teilnehmer Ermüdungsbrüche in der Argumentation erleiden. Anders lässt sich der aktuelle Wochenend-Leitartikel des Standard schwer erklären. „Donald Trump wie Sebastian Kurz säen Misstrauen gegen Angehörige einer Religion“, schreibt Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid im Vorspann ihres Kommentars, in dem sie nach Gemeinsamkeiten zwischen den amerikanischen Reaktionen auf den Terroranschlag von San Bernardino und dem Kampf um die pädagogische Lufthoheit über den Wiener Kinderbetreuungseinrichtungen sucht.

Wie bitte? Donald Trump und Sebastian Kurz? Geht’s noch?

„Wenngleich“, heißt es in der sogenannten Pointe des Textes, „Trump sehr viel extremere Positionen vertritt und Kurz geschickter argumentiert: Was beide Politiker eint, ist, dass sie auf Populismus setzen und damit politisches Kleingeld verdienen wollen …“

Auf dieser Basis könnte man natürlich auch Wladimir Putin mit Erwin Pröll und Viktor Orbán mit Michael Häupl vergleichen.

Oder man lässt es einfach mal gut sein.