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Chartbook

Siebeneinhalb Jahre Werner Faymann in 7,5 Grafiken

von Lukas Sustala / 09.05.2016

Werner Faymann ist zurückgetreten. Nach 2.715 Tagen als Bundeskanzler hat der Sozialdemokrat am Montag seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern angekündigt. Faymann hat in einer kurzen Rede Abschied genommen und betont, wie viel in den 7,5 Jahren passiert ist: „Wer nach siebeneinhalb Jahren hier steht und über die Zeit nachdenkt – und ich habe viel über diese Zeit nachgedacht – darf Ihnen sagen, dass ich stolz bin auf dieses Land. Ich bin stolz auf dieses Österreich, das eine Spekulations- und Wirtschaftskrise so bewältigt hat, dass, egal wo ich in Europa hinkomme, jeder sagt: Wie habt ihr das geschafft ohne Sparprogramme?“ Wie ist es aber Österreich seit Dezember 2008 wirklich ergangen? Ein Rückblick auf Faymanns Kanzlerschaft in 7,5 Grafiken.

Mitarbeit: Bernhard Schinwald, Leopold Stefan

Wirtschaft stagniert

Seit 2008 ist Österreichs Wirtschaft etwas schneller als im EU-Schnitt, aber langsamer als in Deutschland gewachsen. Für die Österreicherinnen und Österreicher fühlt sich die Lage dennoch schlechter an, wächst doch im Vergleich zu anderen Ländern in Europa hierzulande auch die Bevölkerung stärker.

Arbeitslosigkeit ungebremst

Nach einer kurzen Erholung geht es auf dem Arbeitsmarkt seit 2011 ziemlich ungebremst abwärts. Gemäß Statistik Austria ist die Arbeitslosenquote 2015 auf 9,1 Prozent gestiegen, im Jänner 2016 waren knapp 490.000 Menschen arbeitslos.

Stimmung schlecht

Parallel dazu ist die Stimmung der Konsumenten hierzulande miserabel. In kaum einem anderen „Kernland“ der Eurozone sind die Verbraucher so pessimistisch. Daran hat bis dato auch die „größte Steuerreform der zweiten Republik“ wenig ändern können.

Standort schwächelt

Auch bei den Unternehmen ist die Stimmung schlecht. Verschiedene Rankings zur Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft zeigen seit Jahren nach unten. Beim Institut IMD etwa ist Österreich 2008 aus den Top 15 gefallen und rangiert aktuell noch auf Rang 26 der wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften.

Schulden hoch

Seit 2008 sind die Schulden Österreichs stetig gestiegen, von 68 auf 85 Prozent der Wirtschaftsleistung. Zunächst schlug noch die Bewältigung der Finanzkrise budgetär zu Buch, 2014 hat die Hypo Alpe Adria den Steuerzahler viel Geld gekostet.

Große Fluchtbewegung

Die Flüchtlingskrise hat 2015 Österreich erreicht. Knapp 90.000 Menschen kamen im Vorjahr für Asyl hierher, die Regierung reagierte mit Grenzschließungen und -kontrollen.

Voller Kalender

Finanzkrise, Griechenlandkrise, Flüchtlingskrise. In Werner Faymanns Amtszeit war fast an jedem 40. Tag ein Gipfel auf EU-Ebene angesetzt.

Wenig Interesse

Auf der letzten Grafik ist in der Hälfte der Zeit wenig passiert. Werner Faymann war nach seiner Wahl 2008 eigentlich lange Zeit auf Google gar nicht gefragt, bis 2013 wieder Nationalratswahlen geschlagen wurden. Das zuletzt gestiegene Interesse dürfte mit dem heutigen Tag ein jähes Ende erfahren.