Team Stronach: Geldregen vor dem Führungswechsel

von Georg Renner / 11.02.2015

Unmittelbar bevor die Machtverhältnisse an der Parteispitze neu geordnet wurden, hat die Bundespartei noch schnell mehr als 200.000 Euro in die Bundesländer verteilt.

Fast wäre uns diese Mitteilung des Rechnungshofes entgangen:

Der Rechnungshof meldet Finanztransaktionen im Team Stronach – just zwei Tage vor dessen Führungswechsel.

Natürlich kann alles ein simpler Zufall sein. In Oberösterreich, der Steiermark und dem Burgenland stehen heuer Landtagswahlen an, da liegt es grundsätzlich ja durchaus nahe, die Landesparteien dort finanziell aufzumunitionieren (auch wenn das Team in Oberösterreich bereits erklärt hat, nicht anzutreten). Auffällig ist aber das Datum, mit dem das Bundes-Team Stronach dem Rechnungshof gemeldet hat, dass es seinen drei Landesorganisationen insgesamt 203.167,41 Euro überweist (bzw. ihnen an Schulden nachlässt). Nämlich am Dienstag vergangener Woche, dem 3. Februar.

Das ist nämlich ausgerechnet jener Tag, an dem die Partei bekannt gegeben hat, dass zwei Tage später über die Nachfolge von Frank Stronachs ursprünglicher Statthalterin Kathrin Nachbaur als Vizeparteichefin und Klubchefin entschieden würde. Inzwischen ist bekannt, dass sich – mit Stronachs Segen – die steirische Doppelspitze Waltraud Dietrich als Klubobfrau und Wolfgang Auer als Vizeparteichef durchgesetzt hat. (Deren – steirischer – Landespartei kam übrigens mit fast 81.000 Euro die größte Spende der Bundespartei zugute.)

Im Vorfeld war dieser Ausgang allerdings nicht so klar: Unter anderem wurden Ex-BZÖler und Ex-Klubobmann Robert Lugar Ambitionen zurück an die Spitze nachgesagt. Und wie ein 15-köpfiges Gremium (das sind alle Mitglieder der Bundespartei, Stronach inklusive) am Ende entscheidet, ist doch immer ein wenig unberechenbar – besonders in einer Kleinpartei, mit deren Mitgliedern man übermäßige Linientreue nicht unbedingt als erstes Charakteristikum assoziiert.

Durchaus möglich also, dass hier noch jemand monetäre Tatsachen schaffen wollte, bevor die Parteispitze wechselt – und zum Beispiel mit jemandem besetzt würde, der einem Antreten in den Bundesländern eher kritisch gegenübersteht.

Team Stronach-Klubsprecher Herwig Mohsburger will das auf NZZ.at-Anfrage nicht kommentieren, er sei darüber nicht informiert – und außerdem sei das Sache der Bundespartei. Deren Geschäftsführer Roland Bauer war bisher für eine Stellungnahme nicht erreichbar.