„Stehende Frau in Rot“ (hier liegend) von Egon Schiele/APA

Randnotiz

Vampirweiber, Egon Schiele und der Landwirtschaftsminister

Meinung / von Moritz Moser / 21.01.2016

Eine FPÖ-Abgeordnete sorgt mit seltsamen Anfragen für Aufsehen. Diesmal möchte sie Klimt, Schiele und Kokoschka für die Stigmatisierung der Frau in der Kunst ehren lassen.

Das Anfragerecht der Nationalratsabgeordneten treibt zum Teil abstruse Blüten. Neben mehr als berechtigten Fragen, die manchmal auch unbeantwortet bleiben, scheinen einige Abgeordnete eher die Recherchearbeit für ihre Privatinteressen an die Bundesverwaltung übertragen zu wollen. Andere wiederum stehen in krassem Missverhältnis zum Arbeitsaufwand, den sie verursachen.

Eine dieser eher fragwürdigen Anfragen hat die Abgeordnete ♦ Anneliese Kitzmüller an alle Mitglieder der Bundesregierung mit Ausnahme des Bundeskanzlers gerichtet. Kitzmüller, die sich im dezent deutschnationalen „Verband der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich“ als Obfrau für die Bukowinadeutschen einsetzt, geht darin zunächst auf die Rolle der Frau im 19. Jahrhundert ein. „Intellektuelle, Psychoanalytiker und Kunstschaffende“ hätten sich damals mit dem „Rätsel der Frau“ beschäftigt.

Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka – alle drei mit sudetendeutschen Wurzeln – die drei bedeutendsten Maler der Wiener Moderne, widmeten sich der Frage der Weiblichkeit in einer sich verändernden Zeit. Eine Würdigung der künstlerischen Leistungen durch die Republik Österreich wäre daher unabdingbar.

Die Künstler hätten, so Kitzmüller, „fantasie­voll den weiblichen Kosmos“ ergründet und „die Frau durch Rollenzuschreibun­gen wie Femme fatale, dämonische Hexe, Vampirweib, männerverderbende Nym­phomanin, lasterhafte Unschuld, angebetete Hetäre oder Kindfrau“ stigmatisiert. Die Abgeordnete, die bereits mit ihrer parlamentarischen Anfrage zu Flüchtlingskindern in „Kindergrippen“ für Aufsehen gesorgt hat, beruft sich dabei auf den „Sudetendeutschen Pressedienst (SdP)“. Für die Stigmatisierung der Frau in der Kunst will Kitzmüller besonders drei Herren geehrt sehen: Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka.

Die drei Herren hätten ja schließlich allesamt sudetendeutsche Wurzeln, argumentiert die freiheitliche Parlamentarierin, die auch Bezirksparteiobfrau der FPÖ Urfahr-Umgebung und Ortsparteiobfrau der FPÖ Kirchschlag bei Linz ist. Insgesamt ist Anneliese Kitzmüller das Thema 56 Fragen wert, von denen einige redundant sind. Das Interesse der Volksvertreterin dreht sich jedoch hauptsächlich um geplante oder nicht geplante Ehrungen der genannten Künstler und die Einbindung diverser Vertriebenenverbände in allfällige Pläne der Ministerien.

Die Abgeordnete will abschließend außerdem wissen, ob die dreizehn angefragten Ministerien wissenschaftliche Publikationen über Klimt, Schiele und Kokoschka planen („Falls nein, warum nicht?“), wie hoch die Auflage der unbekannten Werke sei, was sie kosten und wann sie in den Handel kommen sollen.

Bisher hat nur der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft ♦ Andrä Rupprechter auf den dreiseitigen Fragenkatalog geantwortet. Seine Stellungnahme fiel so erwartbar wie gerechtfertigt knapp aus: