ABD0026_20151026 – WIEN – ÖSTERREICH: Rekruten am Montag 26. Oktober 2015, bei der Angelobung im Rahmen der Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag am Heldenplatz in Wien. – FOTO: APA/HANS PUNZ

Randnotiz

Während sie gelobten

von Christoph Zotter / 26.10.2015

Montagmittag, Heldenplatz. Blechern dröhnt die Marschmusik aus den Lautsprechern, die Luft riecht nach Lángosfett und Zuckerwatte. Rund eintausend junge Männer wurden in Bussen hergekarrt, sie sollen einen Eid auf die Republik ablegen. „Ich gelobe!“, schreien sie ihren Verwandten und den Kameras entgegen.

Am Rande der Show hat sich ein etwas anderes Grüppchen getroffen. Ein oder zwei haben sich einen Bart wachsen lassen. Sie haben Fahnen mitgebracht. Darauf religiöse Symbole und Insignien eines Clans, der glaubte, von Gott erwählt zu sein.

Sie gehören zu den Traditionsverbänden. Nostalgiker, die die Monarchie nie kannten, sich aber nach ihr sehnen. Die es nicht gerne sehen, dass die Familie Habsburg nicht mehr regiert. Sie tragen alte Uniformen, Fahnen mit der Jungfrau Maria und dem Doppeladler der K.-u.-k-Monarchie darauf.

Am Heldenplatz stehen sie neben den 1.360 Rekruten des Bundesheeres der Zweiten Republik, innerhalb der Absperrung, ganz offiziell. An ihren monarchistischen Symbolen scheint sich niemand zu stören. Dafür pfeifen ein paar in der Menge einen anderen aus.

Er ist Muslim, der Militärimam. Der ist heuer das erste Mal hier, spricht seinen Segen. Dafür gibt es Bedarf: Laut Angaben des Bundesheeres sieht sich jeder zehnte Rekrut als Muslim. Ein paar sind gekommen, weil sie das nicht gut finden. Weil sie dem Imam und den ins Bundesheer einrückenden Muslimen unterstellen, die Demokratie unterwandern zu wollen. „Imam, geh ham“, steht auf einem Schild, das ein junger Mann in die Höhe hält.

Vor den wahren Republikgegnern mit ihren Backenbärten verbeugt sich dafür die Spitze des Landes, einer nach dem anderen: Präsident, Kanzler, Verteidigungsminister.

1.360 junge Männer schrien sich an diesem Montagmittag lieber die Luft aus den Lungen. Sie bezeugten damit, dass sie zum Schutz dieser Zweiten Republik sogar die Waffe in die Hand nehmen würden. Auch die Muslime unter ihnen.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir geschrieben, dass die Traditionsregimenter beim Abspielen der Bundeshymne die Fahnen gesenkt haben. Wir haben interpretiert, dass sie damit ihre Abneigung ausdrücken wollen. Das ist falsch. Im Gegenteil, das Senken der Fahne ist ein Zeichen des Respektes. Wir haben diese Passagen daher entfernt. Unsere falsche Interpretation entstand durch eine fehlerhafte Auskunft direkt beim Festakt. Wir haben es aber verabsäumt, diese nachzuprüfen. Auch in unserer Redaktion ist der Fehler leider nicht aufgefallen, wir hätten noch einmal offiziell nachfragen müssen. Das ist leider nicht passiert. Wir entschuldigen uns und geloben Besserung.