Wahrscheinlich keine Watergate-Aktion im Epstein

von Moritz Gottsauner / 19.05.2015

Einbrecher sind ins Palais Epstein eingestiegen und haben Büros durchwühlt – aber der Laptop eines U-Ausschuss-Mitglieds blieb unberührt. Ob etwas gestohlen wurde, soll heute geklärt werden. 

Einbrüche in Büros politischer Parteien oder Behörden haben spätestens seit dem Watergate-Skandal immer gleich etwas Dunkles, Verschwörerisches an sich. Aber in den seltensten Fällen halten sie, was sie versprechen. Besser gesagt: Sie halten praktisch nie, was sie versprechen.

Beim Einbruch ins Palais Epstein wird es wohl nicht anders sein. Die Parlamentsdirektion und das ermittelnde Landesamt für Verfassungsschutz haben bereits einige Details bekanntgegeben. Sie deuten allerdings darauf hin, dass es sich um einen gewöhnlichen Einbruch handelt, der sich für die Einbrecher nicht wirklich ausgezahlt haben dürfte. Denn auf den ersten Blick scheint kaum etwas weggekommen zu sein. Im Lauf des heutigen Tages soll feststehen, ob etwas fehlt.

Was wir wissen: In der Nacht auf Sonntag gegen zwei Uhr morgens gelangten drei bis vier Personen in Kapuzenpullovern über ein Nebengebäude auf das Dach des Palais. Dort stiegen sie über eine Dachluke in das Gebäude ein und arbeiteten sich von oben Stockwerk für Stockwerk ins Erdgeschoß durch. Sie brachen dabei Bürotüren und Schränke auf, durchwühlten die Büros und richteten laut Parlamentsdirektion „Verwüstungen“ an. Derzeit könne man noch nicht sagen, ob etwas fehlt. Klub- und Parlamentsmitarbeiter würden noch befragt.

Auch die Motive der Einbrecher sind noch unklar. Das Palais ist eines der Nebengebäude des Parlaments, hier sind neben der Demokratiewerkstatt auch Büros der Klubs von SPÖ und ÖVP untergebracht, darunter auch Büros von U-Ausschuss-Mitgliedern. Aber derzeit deutet noch nichts darauf hin, dass geheime Unterlagen das Ziel gewesen sein könnten.

Unter den betroffenen Räumen befindet sich auch das Büro der parlamentarischen Mitarbeiterin des U-Ausschuss-Mitglieds Gabriel Obernosterer. Es seien aber keine brisanten Akten im Büro verwahrt gewesen, sagt er. „Da braucht sich niemand Hoffnung machen, dass die einfach herumliegen.“ Seinen Laptop, der auch im Büro zu finden war, haben die Einbrecher jedenfalls verschmäht. Er sollte neu aufgesetzt werden und U-Ausschuss-Unterlagen seien ohnehin nicht darauf gespeichert gewesen.

Auch in den anderen Büros blieb typische Einbrecherbeute liegen. „Da stehen zuhauf Laptops herum, die unberührt geblieben sind“, heißt es im ÖVP-Klub. In ÖVP-Büros sei lediglich eine Handkassa aufgebrochen worden, in der sich allerdings kein Geld befunden hatte.

Die Einbrecher gelangten schließlich ins Erdgeschoß, wo sie ein Küchenfenster aufbrachen und entkamen. Eine Videokamera zeichnete laut Parlamentsdirektion drei bis vier Personen in Kapuzenpullovern auf. Der Polizei dürften sie gerade noch entwischt sein. Laut Polizei ging der Notruf um 2:29 Uhr ein. Sechs Minuten später traf der erste Streifenwagen ein.

Update:
Die Parlamentsdirektion hat heute bekanntgegeben, dass die Einbrecher keine Wertgegenstände oder Unterlagen gestohlen haben dürften. Sie hätten das Gebäude fluchtartig verlassen, vermutlich, weil ihnen der ausgelöste Alarm aufgefallen war.