„Einkommenssteuererklärung 13/52“ / Dennis Skley / flickr.com

Warum ich es hasse, Steuern zu zahlen

Meinung / von Georg Renner / 08.04.2016

Es gibt ein Argument, das jedes, wirklich jedes einzelne Mal kommt, wenn wieder einmal ein Thema diskutiert wird, das mit Steuern zu tun hat – ob das jetzt die Panama Papers sind, die Frage nach der Schattenwirtschaft mit dem Pfusch oder bloß die Feststellung, dass die Steuerquote in Österreich im internationalen Vergleich dann doch eher hoch ist.

Und dieses Argument geht so:

Steuern zahlen ist wunderbar, heißt das, es ist ja grundsätzlich ein toller Staat, seien wir doch dankbar dafür und freuen uns alle, dazu beitragen zu können.
Immer, wenn ich so etwas lese, eröffnet sich mir quasi eine fremde Welt, denn sehen Sie: Ich ärgere mich jedes einzelne Mal, wenn ich Steuern zahle.

Staat, okay, aber …

Vorausgeschickt: Ich tue das sehr brav, deklariere meine bescheidenen Zusatzeinkommen Jahr für Jahr, besitze kein Offshore-Kont0 (zugegeben, ich habe ein Aktiendepot in Linz – bei uns in Niederösterreich kommt das dem Offshore-Begriff vermutlich schon recht nahe), bin also alles in allem ein braver Steuerzahler. Nur bin ich es nicht gern.

Der Grund dafür ist nicht, dass ich ein Brutalliberaler wäre, der jegliche staatliche Anmutung von vornherein als etatistischen Unfug ablehnte. Im Gegenteil: Wie der zitierte Kollege Goldberg wünsche ich mir auch einen Sozialstaat, der auch Menschen ein Leben in Würde ermöglicht, die im Leben gescheitert sind (also eine anständige Mindestsicherung). Ich will, dass Polizei die Straßen sicher hält, freue mich, dass meine Großmutter auch mit an die 90 noch ein neues Hüftgelenk bekommen hat, erwarte sogar, dass ausreichend Schulen und Universitäten zur Verfügung stehen und ja, ich finde sogar vertretbar, dass der Staat Städte plant, auf dem Land Straßen baut und das Pendeln dazwischen unterstützt.

Man kann jedes dieser Dinge im Detail diskutieren, ob und wie es genau ausgestaltet ist, aber grundsätzlich kann man außer Streit stellen, dass es diese Dinge gibt – und klar ist auch, dass der Staat dafür Geld braucht. Für all diese Dinge bin ich gerne bereit, Steuern zu zahlen.

… Hypo, Tunnel, Selbstbedienungsladen?

Aber all diesen Dingen, die man weitgehend außer Streit stellen kann, stehen eine Menge Gründe gegenüber, deretwegen ich Verständnis für jeden habe, der sein hart erarbeitetes Geld soweit auf legalem Wege möglich vor dem Zugriff des Staates in Sicherheit bringen möchte. Wir zahlen nämlich nicht nur Steuern für Sozialstaat, Bildungssystem und die anderen Errungenschaften der westlichen Zivilisation, sondern auch für:

Man könnte die Liste wahrscheinlich beliebig erweitern – zum Beispiel um alles, was Kollege Kattinger regelmäßig kritisiert –, aber die Aufzählung reicht hoffentlich, um darzulegen, warum man sich als Steuerzahler (noch dazu angesichts der enorm hohen Steuerquote hierzulande) alles andere als glücklich schätzen sollte, immer wieder Geld beim Finanzminister deponieren zu dürfen.

Standpunkt bestimmt den Standpunkt

Am Ende bleibt es, natürlich, Ansichtssache: Sieht man den Staat und die Steuerausgaben vor allem als etwas, das die unbestritten guten Seiten der Republik finanziert: gute Spitäler, sichere Straßen – oder als einen ineffizienten Apparat, der von den Parteien in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend zum Selbstbedienungsladen umfunktioniert worden ist; in dem jeder Cent, den man diesem Leviathan in den Rachen wirft, unvermeidlich der Günstlingswirtschaft zufließt?

Natürlich liegt die Wahrheit dazwischen: aber von ungeteilter Freude, hier Geld abzulegen, weil eh alles so wunderbar und jeder Cent gut angelegt ist, zu sprechen, scheint mir geringfügig übertrieben.