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Der Grenzzaun erklärt

Was am Zaun von Spielfeld wichtig ist

von Christoph Zotter / 13.11.2015

Die Regierung lässt einen Zaun bauen. Wir begehen die Baustelle.

3,7 Kilometer soll er lang sein. Maschendraht, zwei Meter und 20 Zentimeter hoch. Im Notfall könne man dahinter SB-Rollen auslegen, eine moderne Variante von Stacheldraht. So soll er aussehen, der Zaun, der die Regierung fast entzweite.

Der Verteidigungsminister will ihn noch immer nicht so nennen, und die Innenministerin wollte einen längeren (hier eine Dokumentation der Wortverdrehungen der vergangenen Tage, die wieder einmal eine Regierungskrise auslösten → Vom Zaun gebrochen). Fest steht: Der Grenzübergang Spielfeld wird umgebaut. Es soll ein „Grenzmanagementsystem“ geben. Im Westen kommt ein 3,5 Kilometer langer Zaun, im Osten wird er nur 200 Meter lang sein. Wie die Staatsgrenze in der Mitte befestigt wird, ist noch nicht ganz klar.

Anmerkung: Die Karten sind interaktiv, also klickbar. Zusätzlich können Sie mit Klicken und Halten in der Karte navigieren, den Ausschnitt nach oben, unten, links oder rechts verschieben. Klicken Sie in ein Feld oder auf eine Markierung.

Der Zaun ist nicht wichtig

Im Grunde geht es nicht um den Zaun. Wichtiger ist, was in der Mitte passiert, direkt am Grenzübergang. Wie die Flüchtlinge dort über Wochen über die Grenze gebracht wurden und welche Probleme es dabei aufgrund der Massen gab, haben wir bereits beschrieben (→ Spielfeld von oben). Auffallend dabei: Kaum einer probierte, über die Grüne Grenze zu entwischen.


Credits: APA

Dafür gibt es einen guten Grund: Auf der österreichischen Seite warten Busse und Züge. Wer auf eigene Faust am Grenzübergang vorbeigeht, muss dann auch alleine weiter, statt sich vom Staat an die deutsche Grenze bringen zu lassen. Es geht also erst einmal darum, die Menschen von einem Land ins andere zu bringen. Bislang versuchten Polizei und Bundesheer mit einem Schleusensystem aus Absperrgittern, die Flüchtlinge in kleine Gruppen zu teilen. Schon am Mittwoch haben sie ein neues System präsentiert. Aus dem eingezeichneten Grenzverlauf kann man schließen, dass es wohl auf die Wiese gestellt werden wird (vergleichen Sie dazu die linke untere Ecke der Grafik mit dem Eck in der Staatsgrenze entlang der Wiese).

Genaues hat die Regierung in ihrer Präsentation nicht erwähnt, man versuchte lieber zu klären, wie lang genau der geplante Zaun wird, wie er aussieht und wo er steht. Dass es in Spielfeld schon seit Jahren einen Grenzzaun mit Stacheldraht gibt, wurde nicht erwähnt. In der Karte sind existierende Zäune, Gitter, Absperrungen und Stacheldrahtrollen eingezeichnet.

Anmerkung: Durch Klicken erscheint ein Erklärtext. Wir haben auch zwei ältere Reportagen aus Spielfeld eingezeichnet und verlinkt.

Der Traum vom Zaun

Einen Zaun wird es aber auch noch geben. Es ist das gleiche Modell, das schon beim G7-Treffen im bayerischen Elmau und dem Bilderberger-Treffen im Tiroler Telfs verwendet wurde. Das lässt zwei Rückschlüsse zu: Erstens könnte die Tiroler Firma Geo Alpinbau zum Zug kommen, sie hat den Zaun entwickelt. Zweitens wird der Zaun wohl rund 370.000 Euro kosten. Für die Zäune in Telfs und Elmau gab die Firma aus der Nähe von Imst die Kosten pro Kilometer laut dem Nachrichtenmagazin profil mit rund 100.000 Euro an.

Das würde auch heißen, dass es eine öffentliche Ausschreibung für den Zaunbau geben muss, das ist ab einem Auftrag über 100.000 Euro vorgesehen. Ob Geo Alpinbau sich bewirbt, ist nicht klar, die Firma war am Freitag nicht erreichbar.

Theoretisch steht aber ein sehr lukrativer Auftrag an, denn die Regierung hat einen typisch österreichischen Kompromiss vorgeschlagen: Weil die InnenministerinJohanna Mikl-Leitner, ÖVP 25 Kilometer Zaun wollte, Slowenien und der VerteidigungsministerGerald Klug, SPÖ aber abwinkten, gibt es nun einen Zaun auf Vorrat. Sollte es Bedarf geben, soll der 3,7 Kilometer lange Zaun innerhalb von zwei Tagen auf 25 Kilometer verlängert werden können. Verankerungen dafür würden schon jetzt in den Boden gerammt.

Würde man den Zaun ausbauen, würde das um die 2,5 Millionen Euro kosten. Ob bestellte, aber nicht aufgebaute Zäune billiger zu haben sind, ist derzeit nicht klar. Grundsätzlich ist der Zaun als dritter Fallschirm vorgesehen. Bis zu 10.000 Menschen pro Tag will man in Spielfeld mit dem System pro Tag abfertigen.

Falls es mehr werden und Flüchtlinge versuchen sollten, über die Grüne Grenze auszuweichen, gibt es die fixen Zäune. Sollten die nicht reichen, können die Zusatzzäune aufgestellt werden, um die Grenze auf eine längere Strecke hinweg zu versperren. Bislang kamen nie mehr als 10.000 Menschen am Tag in Spielfeld an.