Was die Unternehmer über die Wirtschaftskammer denken

von Moritz Moser / 19.02.2015

Eine Meinungsumfrage für NZZ.at zeigt: Die Unternehmer sind für die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft in der Wirtschaftskammer. Klein- und Mittelbetriebe fühlen sich schlecht vertreten. An die Unparteilichkeit der WKO glaubt nicht einmal ein Drittel.

Die Pflichmitgliedschaft soll abgeschafft werden, das befürworten 42 Prozent der befragten Unternehmer eher oder ganz, 30 Prozent sind eher oder vollständig für deren Beibehaltung. Für die Wirtschaftskammerorganisation ist das eine veritable Bedrohung. Immerhin hat sie 2013 aus den Kammerumlagen I und II sowie der Grundumlage über eine halbe Milliarde EuroInsgesamt erhielten die Bundeskammer und die Länderkammern 500.318.403 Euro an Mitgliedsbeiträgen. Hinzu kommen 154.138.309 Euro an sonstigen Einnahmen. an Beiträgen von der Wirtschaft bezogen.

34 Prozent der befragten Wahlberechtigten empfinden die Beitragshöhe als eher oder völlig unangemessen, während 28 Prozent damit mehr oder weniger zufrieden sind. Den Umgang der Kammer mit ihren Mitteln, den 39 Prozent für ganz oder eher sorgfältig halten, kritisiert Gastautor Gottfried Schellmann im NZZ.at-Club.

Die Mitglieder der Wirtschaftskammer sind mit deren Arbeit trotzdem verhältnismäßig zufrieden, ergibt eine Umfrage unter 400 Unternehmern, die meinungsraum.at für NZZ.at durchgeführt hat. Immerhin ein Drittel der Befragten ist mehr oder weniger zufrieden mit der eigenen Interessenvertretung, 21 Prozent sind eher oder gar nicht zufrieden. Die Zustimmung zur Arbeit der Kammer relativiert sich aber bei Einzelthemen wie Transparenz, Kosten oder Parteipolitik.

n=400, statistische Schwankungsbreite 5%

Problemfelder EPU und KMU

Ein-Personen-Unternehmen (EPU) und Klein- und Mittelbetriebe (KMU) sind in der Wirtschaftskammer ein heißes Eisen. Als der Vizepräsident der Wirtschaftskammer, Fritz Amann, 2014 die Einzelunternehmer als Tagelöhner beschimpfte, für die man eine eigene Kammer schaffen sollte, musste er zurücktreten.

EPU befinden sich häufig in Abhängigkeitsverhältnissen zu größeren Unternehmen, die klassischerweise von der Kammer vertreten werden. Diese hat Schwierigkeiten damit, die unterschiedlichen Interessen von Kleinunternehmern und deren Auftraggebern gleichermaßen zu vertreten.

n=400, statistische Schwankungsbreite 5%

Das Gefühl, dass EPU und KMU von der Kammer nicht oder nur unzureichend vertreten werden, ist bei kleineren Unternehmen wesentlich stärker ausgeprägt als bei größeren.

Die Meinung der Wähler

Die Dominanz des ÖVP-Wirtschaftsbundes in der Wirtschaftskammer lässt einige an deren Überparteilichkeit zweifeln. An die parteipolitische Unabhängigkeit der WKO glauben 30 Prozent, während 38 Prozent eher oder gar nicht daran glauben.

Auch auf die Transparenz der Organisation vertrauen nicht alle: 20 Prozent stimmend der Aussage, die Struktur sei transparent, eher nicht, 15 Prozent überhaupt nicht zu. Völlige Zustimmung kommt von neun Prozent der Befragten, eher transparent sehen die WKO 20 Prozent. Immerhin: 55 Prozent halten die Wirtschaftskammern nach wie vor für eine wichtige österreichische Institution.