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Randnotiz

Was sich aus der Flüchtlings-Kriminalstatistik herauslesen lässt

von Wolfgang Rössler / 30.12.2015

Wenn Asylwerber straffällig werden, dann am ehesten in Tirol. Das häufigste Delikt: Dokumentenfälschung. 

Vielleicht haben Sie Franz Lang im Ö1-Morgenjournal gehört. Der Leiter des Bundeskriminalamtes hat sich alle Mühe gegeben, den Alarmismus des Team Stronach zu zerstreuen. „Das Sicherheitsgefühl der Österreicher nimmt ständig ab“, behauptete TS-Mandatarin Martina Schenk. Grund: die Flüchtlingskriminalität.

Mit dem kollektiven Sicherheitsgefühl ist das so eine Sache: Messen lässt es sich nicht. Möglicherweise nimmt es aber besonders dann Schaden, wenn Politiker Ängste schüren.

Schenk bezieht sich auf eine parlamentarische Anfrage ihrer Partei an Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). Das Team Stronach wollte wissen, wie viele Straftaten heuer von Asylwerbern begangen wurden. Das ist noch nicht statistisch erfasst. Wohl aber lässt sich sagen, wie viele Anzeigen es gegen Asylwerber zwischen Jänner und August gab: rund 8.500. Im Vorjahr waren es insgesamt 9.500.

Nun lässt sich unschwer prognostizieren, dass es heuer auf das gesamte Jahr bezogen mehr von Asylwerbern begangene Straftaten geben wird. Allerdings hat sich die Zahl der Asylanträge in Österreich schon bis August im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres mehr als verdreifacht: von 11.265 auf 37.046 Anträge.

Relativ betrachtet, argumentiert Lang, sei die Kriminalität also gesunken. Es gebe keinen Grund zur Sorge, zumal jedes zweite Delikt Dokumentenfälschung sei. Dass Asylwerber ihr Glück in Österreich mit falschen Pässen versuchen, mag man ärgerlich finden – eine Gefahr für die hier lebenden Bürger ist das aber nicht.

Die Anfragebeantwortung des Innenministeriums umfasst 230 Seiten voller Zahlenkolonnen über Delikte von Asylwerbern in den einzelnen Bundesländern. Die mit Abstand geringste Flüchtlingskriminalität gibt es demnach im Burgenland. Die – in Relation zur Zahl der dort lebenden Asylwerber – höchste Quote hat Tirol. Warum das so ist, konnten die Behörden jedoch nicht sagen.